In diesen reichen Ländern liegt die Armutsrate erschreckend hoch
Leben am Existenzminimum
Fast zehn Prozent der Weltbevölkerung leben von weniger als 1,90 Euro am Tag. Während die Superreichen immer reicher werden, kämpfen Millionen Menschen in extremer Armut ums Überleben – selbst in den reichsten Nationen der Welt. Hier haben wir die Länder mit den höchsten Armutsraten zusammengestellt, basierend auf aktuellen Daten der OECD für den Zeitraum 2017 bis 2021. Der Prozentsatz zeigt dabei an, wie viele Bürger und Bürgerinnen von einem Einkommen leben, das weniger als die Hälfte des nationalen Durchschnitts beträgt. Wie schlägt sich Deutschland im internationalen Vergleich?
Belgien: 8,1 Prozent
Im Vergleich zu anderen entwickelten Volkswirtschaften ist die Kluft zwischen Arm und Reich in Belgien gering. Faktoren wie der hohe Mindestlohn pro Stunde (13,60 Euro) und das gut finanzierte Sozialsystem halten die Armutsquote insgesamt relativ gering.
Niederlande: 8,2 Prozent
Zwischen 2013 und 2017 ist die Zahl der in Armut lebenden Menschen in den Niederlanden von 790.000 auf 618.000 gesunken. Laut den neuesten Zahlen der OECD liegt die Armutsquote inzwischen jedoch bei 8,2 Prozent – ein geringer Anstieg im Vergleich zu den Jahren zuvor. Die Niederlande haben kein bedingungsloses Grundeinkommen, sind aber für ihr gutes Sozialhilfesystem bekannt, ein Sicherheitsnetz für jene, die in finanzielle Not geraten.
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Norwegen: 8,4 Prozent
Auch Norwegen verfügt über ein solides Sozialhilfesystem. Dieses wird durch die hohen Steuern finanziert, die gleichzeitig darauf abzielen, die ungleiche Vermögensverteilung zu drücken. Ganz gelungen ist das allerdings bis heute nicht: 43 Prozent der Menschen, die in Armut leben, sind Einwanderer.
Frankreich: 8,4 Prozent
Zwar sind in Frankreich derzeit viele Menschen arbeitslos gemeldet, die Armutsquote ist aber niedrig. Seit 2019 lag sie bei etwa acht Prozent, bevor sie 2022 auf 7,2 Prozent sank. Die Erklärung liegt auch hier im umfassenden Sozialsystem, das gute Leistungen für Arbeitslose bietet.
Schweden: 8,9 Prozent
Ein ähnlich gutes System hat Schweden, das seinen Nachbarländern in Skandinavien in Sachen sozialer Unterstützung um nichts nachsteht. Ziel der Regierung ist es, die Armutsquote niedrig zu halten – was auch gelingt. Laut der Nonprofit-Organisation „The Borgen Project“ gibt es im Land mehr als 100 Gewerkschaften und fast alle Arbeitnehmer gehören einer an. So gelingt es, diese trotz eines fehlenden Mindestlohns vor finanziellen Krisen zu schützen. Die hohen Steuern finanzieren das kostenlose universelle Gesundheitssystem.
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Ungarn: 9,2 Prozent
Mit einer Armutsquote von 9,2 Prozent landet Ungarn auf Platz 25 unserer Liste. Die Zahl der armutsgefährdeten Bürger und Bürgerinnen ist im Laufe der Jahre gesunken, von einem Rekordwert 2013 (34,8 Prozent!) auf 17,8 Prozent im Jahr 2020.
Polen: 9,8 Prozent
In Polen ist die Zahl der Menschen in Armut aktuell rückläufig. In den letzten Jahren ist sie von 11,1 auf 9,8 Prozent gesunken. Daten von Statista zeigen, dass vor allem Kinder und Studierende betroffen sind.
Deutschland: 9,8 Prozent
2020 erreichte die Armutsquote in Deutschland laut dem Paritätischen Wohlfahrtsverband den höchsten Stand aller Zeiten. Seither ist sie von 16,1 auf 9,8 Prozent gesunken, was die Bundesrepublik – viertgrößte Volkswirtschaft der Welt – den 23. Platz auf unserer Liste beschert.
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Schweiz: 9,9 Prozent
In der Schweiz ist die Armutsquote bereits zwischen 2016 und 2017 von 7,5 auf 8,2 Prozent gestiegen. Aktuell liegt sie bei 9,9 Prozent, die höchste Rate seit mehr als einem Jahrzehnt. Einwohner, die Anspruch auf die Schweizer Sozialhilfe haben, erhalten eine monatliche Zahlung, die als „Warenkorb“ bezeichnet wird und die Kosten für notwendige Lebensmittel, Kleidung, Miete und öffentliche Verkehrsmittel decken soll. Etwa die Hälfte jener, die diese Unterstützung bezieht, benötigen sie ein Jahr oder weniger.
Österreich: 10 Prozent
Österreich ist eines der wohlhabendsten Länder der Welt, dennoch leben zehn Prozent der Bevölkerung in Armut. Die Arbeitslosigkeit ist relativ gering, im Juni 2022 fiel sie auf 5,5 Prozent. Dazu gelten die Jobs als sicher und die Löhne als hoch. So wird verhindert, dass die Mehrheit der Menschen unter das Existenzminimum fällt.
Luxemburg: 10,5 Prozent
Die Armutsquote im berühmten Steuerparadies Luxemburg liegt bei 10,5 Prozent. Die Kluft zwischen Arm und Reich ist relativ groß. Laut einem Bericht des französischen Beratungsunternehmens Capgemini von 2021 leben im Land 46.200 Millionäre. Gleichzeitig müssen 105.000 mit dem Nötigsten auskommen.
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Portugal: 10,6 Prozent
Die Jugendarbeitslosigkeit in Portugal ist hoch, dementsprechend ist auch die Armut in der jüngeren Bevölkerung höher als in anderen Ländern. Auch die Zahlung des Arbeitslosengeldes ist für viele Menschen nicht lang genug, um einen neuen Job zu finden und so rutschen viele in die Armut ab. Aktuell liegt die Quote bei 10,6 Prozent.
Griechenland: 11,5 Prozent
Griechenland erholt sich immer noch von der Wirtschaftskrise, die die Einkommen um rund 30 Prozent einbrechen ließ. Die gute Nachricht ist jedoch, dass die Armutsquote in den letzten Jahren gesunken ist. Aktuell beträgt sie 11,5 Prozent – das Land liegt damit auf Platz 18 im Ranking.
Kanada: 11,6 Prozent
Kanada mag ein wohlhabendes und rohstoffreiches Land sein, im Vergleich zu anderen modernen Volkswirtschaften ist die Armutsquote jedoch sehr hoch. Dass die Sozialhilfe im Land sehr gering ist, macht das Ganze nicht besser. Positiv ist anzumerken, dass die Quote in den letzten zehn Jahren signifikant gesunken ist. 2008 hatte Kanada Berichten zufolge die höchste Armutsrate aller OECD-Mitglieder, 2019 war sie dann auf den niedrigsten Stand der Geschichte gefallen.
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Vereinigtes Königreich: 12,4 Prozent
Im Vereinigten Königreich leben laut OECD 12,4 Prozent der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Der Joseph Rowntree Foundation zufolge, die Armut anhand der Wohnungspreise misst, ist die Quote sogar noch höher. Nach dieser Statistik lebt aktuell jeder fünfte Brite in Armut, das entspricht rund 14,5 Millionen Menschen.
Neuseeland: 12,4 Prozent
Neuseeland liegt in puncto Armutsquote gleichauf mit Großbritannien. Laut dem The Borgen Project führten die Wirtschaftsreformen in den 1980ern zu einer extrem ungleichen Wohlstandsverteilung. Am stärksten betroffen sind die Māori sowie Kinder aller Ethnien. Allerdings hat sich das Land dazu verpflichtet, die Zahl der Kinder unterhalb der Armutsgrenze bis 2030 um 50 Prozent zu verringern.
Australien: 12,4 Prozent
Auch in Australien sind laut der OECD 12,4 Prozent verarmt. Anfang 2020, noch vor der Covid-19-Pandemie, die die Armutsraten weltweit nach oben schnellen ließ, lebten laut der Wohltätigkeitsorganisation Australian Council of Social Service 3,24 Millionen Menschen unterhalb der Armutsgrenze (313 Euro pro Woche).
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Italien: 14,2 Prozent
In Italien liegt die Armutsquote bei 14,2 Prozent, was bedeutet, dass 1,7 Millionen Familien und 4,6 Millionen Einzelpersonen von weniger als 657 Euro pro Monat leben müssen. Das Land verfügt zwar über ein intaktes Sozialversicherungssystem namens „Previdenza Sociale“, die Zahl der Menschen in Armut ist in den letzten Jahren dennoch kontinuierlich gestiegen.
Türkei: 14,4 Prozent
In der Türkei ist die tiefe Kluft zwischen den Reichen in der Stadt und den Armen auf dem Land offensichtlich. In vielen ländlichen Gebieten ist das Bildungsniveau niedrig, die Arbeitslosigkeit hoch und soziale Sicherheit praktisch nicht vorhanden. Insgesamt liegt die Armutsquote bei 14,4 Prozent.
Spanien: 14,7 Prozent
Spanien kämpft wie sein Nachbar Portugal mit einer außergewöhnlich hohen Arbeitslosigkeit bei den unter 25-Jährigen. Dies bedeutet, dass sich auch die Armut auf die junge Generation konzentriert. Immerhin ist die Quote aber in den letzten Jahren von mehr als 15 auf 14,7 Prozent gesunken.
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Estland: 14,9 Prozent
Auch in Estland ist Armut ein großes Problem. Ein schlechtes Bildungssystem, fehlende gute Jobs und geringe staatliche Leistungen für Menschen im erwerbsfähigen Alter haben 14,9 Prozent der Gesellschaft unter das Existenzminimum gedrängt.
Südkorea: 15,3 Prozent
Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern ist in Südkorea die Armutsquote bei den über 65-Jährigen besonders hoch: sie liegt bei mehr als 40 Prozent! Die Erklärung liegt in der geringen staatlichen Rente, die schätzungsweise gerade einmal 16 Prozent der Lebenshaltungskosten deckt.
Litauen: 15,4 Prozent
Ähnlich wie beim Nachbarn Estland sind in Litauen die Armut hoch und die Löhne niedrig. Aktuell leben 15,4 Prozent der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Obwohl Vermögensungleichheit und Arbeitslosigkeit bei der Landbevölkerung relativ gering sind, ist die ländliche Armut erschreckend verbreitet. Laut dem „The Borgen Project“ lebt etwa ein Drittel der Litauer in ländlichen Gebieten unterhalb des Existenzminimums.
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Japan: 15,7 Prozent
Mit 15,7 Prozent belegt Japan im Armutsranking den siebten Platz. Dem „The Borgen Project“ zufolge waren 2018 weniger als ein Prozent der Japaner obdachlos. Dies scheint allerdings eher ein Resultat der hohen Staatsausgaben als effektiver Reformen zu sein. Die Armut bleibt hoch.
Chile: 16,5 Prozent
Chile mag eines der wohlhabendsten Länder Südamerikas sein, doch einem erheblichen Teil der Bevölkerung nützt dies wenig. Die Einkommensungleichheit ist hoch und das öffentliche Bildungssystem schlecht, wodurch viele in einem Teufelskreis aus Armut gefangen sind. Die Quote ist laut der OECD in den letzten Jahren von 16,1 auf 16,5 Prozent gestiegen.
Mexiko: 16,6 Prozent
OECD-Daten aus dem Jahr 2020 zufolge beträgt die Armut in Mexiko 16,6 Prozent. Ein großes Problem im Land ist die Kinderarmut: 14 Prozent der unter Fünfjährigen leiden aufgrund der Unterernährung an Wachstumsstörungen – und das, obwohl Mexiko zu den 20 größten Volkswirtschaften der Welt zählt.
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Lettland: 16,9 Prozent
Die aktuelle Armutsquote in Lettland beträgt 16,9 Prozent, ein leichter Anstieg gegenüber den OECD-Zahlen von vor ein paar Jahren (16,2 Prozent). Wie sein Nachbar Estland hat auch Lettland tiefsitzende Probleme. Das typische Jahresgehalt im Land beträgt gerade einmal etwas mehr als 17.000 Euro. Das Sozialsystem ist mangelhaft.
Israel: 17,3 Prozent
Laut OECD-Daten betrug die Armut in Israel im Jahr 2019 17,3 Prozent. Nach Angaben der Zeitung „The Times of Israel“ gerieten im Verlauf der Pandemie jedoch 233.000 zusätzliche Haushalte in „finanzielle Notlage“. Damit dürfte die Armutsquote von 17,3 Prozent in diesem Jahr bald überstiegen werden.
USA: 18 Prozent
In den USA ist die Kluft zwischen Arm und Reich deutlich größer als in den meisten anderen Ländern. Niedrige Sozialleistungen und ein Mangel an allgemeiner Gesundheitsversorgung verschärfen die Situation weiter. 70 Prozent der Amerikaner sind laut Statista dennoch der Meinung, dass dies ein notwendiges Nebenprodukt des Lebens in der freien Marktwirtschaft ist. Schockierend: 13 Millionen US-Bürger und -Bürgerinnen kennen laut eigenen Angaben jemanden, der gestorben ist, weil er sich keine medizinische Versorgung leisten konnte. Das Problem vergrößert sich weiter, da die Armutsquote der OECD zufolge seit 2014 von 16,8 Prozent auf aktuell 18 Prozent kontinuierlich gestiegen ist.
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Südafrika: 27,7 Prozent
Finanzielle Ungleichheit ist in Südafrika weit verbreitet. Rund zehn Prozent der Bevölkerung besitzen geschätzte 65 Prozent des Gesamtvermögens – der Prozentsatz ist sogar noch höher als in den USA, wo die oberen zehn Prozent laut einer Schätzung aus dem Jahr 2016 45 Prozent ihr Eigen nannten. Die gute Nachricht ist, dass Südafrikas Armutsquote insgesamt sinkt, auch wenn sie immer noch bei 27,7 Prozent liegt. Die Corona-Pandemie verschärfte die Situation: Im vergangenen Jahr meldete das Land seinen bisherigen Rekord von 35,3 Prozent.
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