Fürs Vanlife und den „heute hier, morgen dort“-Lebensstil muss man gemacht sein. Der niederländische Filmemacher Jonathan und die deutsche Marketingexpertin Nicole sind es. Sie haben einen Lkw in ein Vollzeit-Zuhause umgebaut, in dem sie als digitale Nomaden leben und arbeiten.
Entdecken Sie hier, warum Fans das Haus auf Rädern als „den besten Van auf YouTube“ bezeichnen – und verfolgen Sie die Entstehungsgeschichte des besonderen Wohnmobils Schritt für Schritt in Bildern ...
Adaptiert von Barbara Geier
Nicole und Jonathan hatten bereits zwei kleinere Lastwagen für ihre Reisen umgebaut, ehe sie sich ihrem Traum vom Vollzeit-Vanlife widmeten: Sie wollten in der Welt unterwegs sein und ihre Leidenschaften wie Kitesurfen und Snowboarden verfolgen, dabei aber weiter arbeiten und Geld verdienen. Daher entschieden sie sich, einen ausreichend großen Lastwagen umzubauen, der diesen Lebensstil ganzjährig ermöglichen würde.
Ihr Traumhaus auf Rädern schufen sie mithilfe von Online-Tutorials. Inzwischen dokumentieren die beiden die Realität des Vanlife auf ihrem eigenen YouTube-Kanal und geben Interessierten Tipps und Hilfestellung.
Ihre erste wichtige Entscheidung war die Wahl des passenden Gefährts …
Auf Basis ihrer Vanlife-Erfahrung entschied sich das deutsch-niederländische Paar für diesen gebrauchten DAF LF55. Der mittelschwere und noch relativ neue Lkw kostete knapp über 18.000 Euro.
Seine Automatikschaltung mit Tempomat eignet sich für lange Fahrten und er ist robust genug, um als Haus zu dienen. Groß genug dafür ist das 7,5 Meter lange und jeweils 2,5 Meter breite und hohe Fahrzeug auch.
Nicht jeder kann sich einen leeren Lkw-Laderaum als gemütliches Zuhause vorstellen. Jonathan und Nicole hatten die nötige Fantasie und planten den Umbau mit einem kostenlosen 3D-Programm namens SketchUp.
Nachdem sie sich auf das grundsätzliche Design geeinigt hatten, gab es Spezialisten-Tipps von Jonathans Schwager, der als Tiny-House-Architekt tätig ist: „Kleine Räume darf man nicht noch kleiner machen, indem man sie mit Schränken einengt.“ Stattdessen solle man lange Sichtlinien schaffen.
Das Paar mietete sich für sein Projekt eine Werkstatt. Erster Arbeitsschritt: Im Inneren des Vans musste ein Holzrahmen installiert werden als Grundlage für die zukünftigen Wände und den Boden.
Für dessen Basis verwendeten sie eine Hartschaumisolierung, auf die mit Epoxidharz beschichtete Sperrholzplatten für einen strapazierfähigen Boden verlegt wurden. Wichtig dabei: an einen Spalt für die Luftzirkulation denken!
In den fertigen Rahmen wurden die Öffnungen für die Fenster, Dachfenster, Türen und Außenstaufächer geschnitten – und dank ihres SketchUp-Entwurfs wussten die Van-Bauer genau, wo sie diese platzieren mussten.
Am Heck des Lastwagens wurde eine Schiebetür eingefügt, die gebraucht 400 Euro gekostet hatte.
Vier Monate nach Projektstart war der Van noch mitten in der Verwandlungsphase. Die „Hausherrin“ ist hier bei der Mittagspause zu sehen.
Kaum vorstellbar zu dem Zeitpunkt, dass dieser unwirtliche Raum zu einem Ort werden würde, in dem man gemütlich beim Essen am Tisch sitzt …
Damit der Van auch im Winter warm bleibt, wurde das Gefährt mit sechs Zentimeter dicken Dämmplatten aus Steinwolle isoliert. Darauf kam dann noch eine Schicht Klimafolie.
Die Marketingfachfrau Nicole hatte bereits vor dem großen Umbauprojekt Erfahrung mit dem Wohnen im Auto bei niedrigen Temperaturen gemacht, als sie einen Winter in einem umgebauten Fiat Ducato verbrachte. Ihr Fazit: „Wenn man an das Leben in einem Haus gewohnt ist, kann man sich kaum vorstellen, wie kalt das wird.“
Die Vanlifer kamen bei ihrem Lkw-Umbauprojekt immer wieder an ihre Grenzen – einfach weil die Erfahrung mit bestimmten Dingen fehlte.
Bestes Beispiel: der Einbau der Dieselheizung, die Jonathan (so seine eigenen Worte) zunächst „komplett missglückte“. Falscher Dieseltank, falsche Kraftstoffleitungen, zwei falsche Schnittstellen – beim ersten Versuch stellte sich alles als nicht brauchbar heraus. Die Antworten auf seine Fragen, wie es richtig geht, fand er schließlich auf YouTube.
Im nächsten Schritt wurden Wände und Decke mit Okoumé-Sperrholzplatten verkleidet. Dieses Material wird traditionell im Bootsbau verwendet, da es langlebig ist und sich nicht verzieht oder schrumpft.
Das helle Holz lässt den relativ kleinen Raum hell und luftig wirken.
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Auf den komplizierten Eigenbau von Schränken verzichteten Nicole und Jonathan. Eine Ikea-Küche für 1.029 Euro erfüllte alle Anforderungen.
Extras wie der Geschirrspüler, der Kühlschrank und eine schicke mattschwarze Spüle mit Wasserhahn wurden alle gebraucht erworben.
Der Wunsch nach einer richtigen, komplett ausgestatteten Küche war einer der Gründe für die Größe des gewählten Lkw gewesen – und das Endergebnis kann sich sehen lassen:
Insgesamt gab das Paar 2.272 Euro für die Gestaltung dieser stilvollen Küche aus, die so gar nicht an das Innere eines Lastwagens erinnert.
Die hochwertigen Details und clevere Raumaufteilung bringen Nicole und Jonathan viel Lob von ihren Online-Fans ein, die den Van als Best-Practice-Beispiel bezeichnen.
Nicht wenige werden von den Videos und Bildern der beiden inspiriert, es selbst mit dem Vanlife zu versuchen oder bestimmte Designideen zu übernehmen.
Aufgrund der Größe ihres Fahrzeugs muss das digitale Nomadenpaar oft auf weniger malerischen Stellplätzen parken – hat dafür aber vorgesorgt: Die Heckklappe lässt sich praktischerweise in eine Holzterrasse verwandeln, sodass sie – egal wo – immer einen eigenen Sitzbereich haben.
Während der Fahrt wird diese Terrasse zum Schutz der Türen hochgeklappt. Im geparkten Zustand kommt sie runter, um einen Platz für Yoga oder Essen im Freien zu schaffen.
Stauraum ist bei wenig Platz immer ein Riesenthema. Hier sehen Sie eine clevere Lösung: Bodenschubladen, um größere, nicht verderbliche Lebensmittel wie Reis oder Nudeln aufzubewahren.
Unter dem Sofa im Van befinden sich noch mehr davon, zum Verstauen von Sportgeräten und Arbeitsutensilien. So wird der Platz optimal genutzt und der Raum wirkt trotzdem nicht vollgestopft.
Auch Arbeiten im Van will gut organisiert sein: Das deutsch-niederländische Paar nutzt einen einklappbaren Tisch, an dem auch gegessen wird und an den sie praktischerweise kostenlos gekommen sind. Die Stühle – auch aus zweiter Hand – belasteten das Budget nur mit 30 Euro.
Während Nicole früh am Start ist und oft schon morgens um acht Meetings hat, ist Jonathan kein Morgenmensch, sodass die beiden sich den Schreibtisch nicht immer teilen müssen.
Bei schönem Wetter wird der vielseitige Tisch zum Esstisch im Freien, um an lauen Sommerabenden die Aussicht am jeweiligen Standort zu genießen.
Ein klappbares Bett kam für das Paar nicht infrage. Platzsparend sollte es dennoch sein. Ihre Lösung: Sie platzierten das Bett hinter der Küche über einem Hohlraum, in dem technische Geräte untergebracht sind. Eine verstärkte Küchenschublade dient als Stufe.
Die genau zugeschnittene Matratze liegt auf einem einfachen Belüftungssystem, das für Luftzirkulation und Federung sorgt. Die Konstruktion spart nicht nur Platz, sondern ist auch bequem und macht den Van noch wohnlicher.
Für das Bad blieb im Van zwar am wenigsten Platz, dafür ist die Dusche hochmodern. Während eine normale Dusche zehn Liter pro Minute verbraucht, kommt dieses Modell des amerikanischen Start-ups Nebia mit nur etwa 2,7 Litern pro Minute aus. Das gelingt, indem der Duschkopf Millionen von Wassertropfen versprüht, sodass eine Art Wasserwolke entsteht.
Nebia-Duschen kosten derzeit um die 890 Euro. Jonathan und Nicole kauften ihr Modell gebraucht günstiger.
Auf den ersten Blick eine Toilette wie jede andere. Diese Verbrennungstoilette des norwegischen Herstellers Cinderella funktioniert allerdings ohne Wasser.
Sie kann mit Strom, Diesel oder Gas betrieben werden und verwandelt Abfälle in geruchsfreie Asche. Ziemlich perfekt für das Leben im Van!
Schnell zur Neige gehende Wasserressourcen waren bei Reisen in anderen Vans immer ein Problem und zwangen oft zur Weiterfahrt. Daher installierte das Paar bei diesem Umbau einen 850-Liter-Wassertank, um nicht so schnell nachfüllen zu müssen.
Dabei lief allerdings nicht alles glatt. Die gewählte Schlauchkonstruktion war kompliziert und stellte sich dazu auch noch als undicht heraus. Inzwischen ist das Problem nach einer „sehr mühsamen“ Reparatur gelöst – und Jonathan weiß jetzt auch, dass es eine viel einfachere Lösung mit Wasserleitungen zum Einstecken gegeben hätte …
Auf dem Dach des Vans wurde das Maximum an möglichen Solarzellen installiert, die insgesamt bis zu 2.000 Watt Strom erzeugen können.
Die gewonnene Energie wird in vier großen Lithium-Batterien gespeichert, die genug Strom liefern, um einen Laptop 200 Stunden lang aufzuladen oder einen Staubsauger 16 Stunden lang ununterbrochen zu betreiben. Ein Solarladeregler kontrolliert dabei den Batterieladezustand und optimiert die Energieverwendung der Solaranlage.
So weit, so gut. Als für das Paar jedoch der erste Winter im Van anstand, stellten sie schnell fest, dass ihre Solarleistung nachließ.
Jonathan und Nicole sind begeisterte Snowboarder und hatten bei ihrem Van-Umbau die Minustemperaturen in Skigebieten berücksichtigt. Abgesehen von der beschriebenen Isolierung hatten sie doppelt verglaste Fenster, eine Dieselheizung und einen kleinen Holzofen installiert.
In Vorbereitung auf den Winter wurden zudem der Wassertank und die Batterien im Inneren gelagert, damit sie nicht einfrieren, und ein Nest-Thermostat von Google angeschafft, um die Temperatur von überall aus regeln zu können. An sich war alles eingerichtet für warme Nächte in den Bergen, aber die Natur hatte andere Pläne …
Eine bitterkalte Nacht in Österreich war zu viel für die Infrastruktur der Vanlifer: Wassertank und -rohre froren ein und die Dieselheizung gab auf.
Da es unter diesen Bedingungen unmöglich war, in den Bergen zu bleiben, machte sich das Paar auf ins Tal – aber auch dabei wurden sie vom Pech verfolgt: Bei der steilen Abfahrt überhitzten die Bremsen und fingen Feuer.
Angesichts solcher Widrigkeiten verwundert es kaum, dass nur wenige auch in ihren Wohnmobilen überwintern und Jonathan und Nicole mit ihrem Ganzjahresleben im Van zu den Ausnahmen gehören.
Als die Dieselheizung ausfiel, konnte das Paar zum Glück noch auf ihren kleinen Holzofen zurückgreifen.
Allerdings hat auch dieser seine Nachteile. Abgesehen davon, dass er aus Kanada importiert werden musste und ein speziell gebautes einziehbares Abzugsrohr erfordert, ist der Ofen sehr empfindlich und muss oft gereinigt werden. Zudem ist es nicht ganz einfach, fertig geschnittenes Holz zu finden, das in den kleinen Ofen passt.
Eigentlich wollten die beiden Hardcore-Vanlifer im Winter von einem Skigebiet zum nächsten fahren. Aber die Realität war letztendlich nicht so wie die idealisierte Vorstellung. Jonathan vermisste die Gesellschaft von Menschen und auch das tägliche Snowboarden war weniger erfüllend als gedacht.
Der Plan wurde also modifiziert und das Wohnmobil unter der Woche in der Nähe von Innsbruck geparkt. In der Stadt konnte Jonathan mit anderen Filmemachern arbeiten – und am Wochenende ging es zum Snowboarden wieder in die Berge.
„Werden wir immer einen Parkplatz finden?“, war nur eine der Fragen, die sich das Paar stellte, bevor sie in ihr Vanlife-Leben starteten. Heute machen sie sich über das Thema keine Gedanken mehr: Sie nutzen eine App namens Park4night oder identifizieren auf Google Maps Orte, die sich eignen.
Im Winter bieten größere Skigebiete ausreichend Parkplätze. In der Nebensaison können auch Campingplätze eine gute Option sein. Die Preise für einzelne Nächte sind dann oft reduziert und es gibt gute Angebote für langfristige Stellplätze.
Mit einem mittelgroßen Lkw auf der Suche nach Waschsalons durch Städte zu navigieren, ist ziemlich mühsam. Daher haben sich die beiden eine Mini-Waschmaschine für rund 800 Euro gegönnt.
Die Investition lohnt sich, wenn man sie gegen die Kosten für den Waschsalon aufrechnet. Im Sommer trocknen die Kleider im Freien, im Winter drinnen im Van.
In dem ersten Vanlife-Video, über das Jonathan stolperte, war ein VW-Van zu sehen, der ein Honda-Geländemotorrad hinter sich her zog. Dieses Bild beeindruckte den Filmemacher nachhaltig.
Heute ist das Paar mit dem Kawasaki-Motorrad des Niederländers unterwegs. Allerdings begann diese Reise mit Hindernissen …
Jonathan machte als blutiger Anfänger eine Probefahrt auf der Maschine, stürzte und beschädigte das Motorrad. Danach stand er vor der Wahl, die Kawasaki entweder reparieren zu lassen oder sie zu kaufen – und entschied sich für Letzteres.
2005 kaufte sich Jonathan einen Iveco-Daily-Van für 7.000 Euro und gab etwa den gleichen Betrag für dessen Umbau aus. Beim Weiterverkauf erhielt er 16.000 Euro und erzielte damit einen unerwarteten Gewinn.
Nicole wiederum gab für den Kauf und Umbau ihres Transporters insgesamt 18.000 Euro aus. Mit dessen Weiterverkauf generierte sie 23.000 Euro. Damit hatte das Paar ein „Startkapital“ von 39.000 Euro.
Ihr jetziger großer Lkw kostete sie knapp über 18.000 Euro, weitere 45.500 Euro gingen für den Umbau und Extras wie den speziellen Lastwagenführerschein drauf. Damit investierten sie insgesamt rund 63.500 Euro in ihren Vanlife-Traum.
Am Anfang stand das Ziel, den ultimativen Van zu bauen – und dem ist das Paar nach eigener Aussage ziemlich nahegekommen. Im Nachhinein wissen sie, dass sie einiges hätten besser und auch günstiger machen können.
Aber was im Endeffekt für Jonathan und Nicole zählt, ist der Vanlife-Lebensstil – und dafür bietet ihnen der umgebaute Lkw ein Zuhause, in dem sich die beiden sehr wohlfühlen.
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