115 Billionen US-Dollar (99 Billionen Euro) – in dieser kaum greifbaren Zahl steckt die Wirtschaftsleistung aller Nationen auf unserem Planeten. Basierend auf aktuellen Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF) und des World Economic League Table (WELT), der jedes Jahr vom britischen Centre for Economics and Business Research (Cebr) herausgegeben wird, schlüsseln wir hier die reichsten Länder nach ihrem Bruttoinlandsprodukt auf, einschließlich Prognose.
Vom letzten bis zum ersten Platz: Welche 31 Volkswirtschaften derzeit am wohlhabendsten sind.
Das Cebr legt andere Kriterien bei der Schätzung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) an als der Internationale Währungsfonds (IWF). Unser Ranking basiert auf den BIP-Angaben des IWF.
Adaptiert von Barbara Geier
Wie viele Hochlohnländer hat Österreich einen starken Dienstleistungssektor mit Finanzdienstleistungen, Einzelhandel, Tourismus und anderen lukrativen Branchen, die hoch entwickelt sind. Auch der internationale Handel ist wichtig, insbesondere mit den deutschen Nachbarn. Die möglichen Strafzölle von US-Präsident Donald Trump könnten wie bei anderen EU-Ländern auch das Wirtschaftswachstum beeinträchtigen, denn die USA sind der drittwichtigste Handelspartner Österreichs.
In der aktuellen Prognose des Cebr wird für Österreich bis 2039 ein gedämpftes Wachstum erwartet, sodass es im weltweiten BIP-Ranking neun Plätze nach unten geht.
Thailand ist eine industrialisierte, exportorientierte Nation mit mittlerem Einkommen im oberen Bereich und einem florierenden Dienstleistungssektor, der größtenteils von der Tourismusindustrie des Landes getragen wird. Positiv zu vermerken ist, dass es von allen Ländern in unserer Übersicht die niedrigste Arbeitslosenquote hat. Allerdings hat Thailand ein relativ niedriges BIP pro Kopf.
In den nächsten 14 Jahren wird der thailändischen Wirtschaft ein Wachstum um durchschnittlich 2,7 Prozent pro Jahr vorhergesagt, womit das Land im WELT-Ranking drei Plätze nach oben klettert.
Die VAE werden von der Weltbank in der Kategorie der Länder mit einem hohen Einkommen geführt. Das Land hat seine traditionelle Abhängigkeit von der Ölwirtschaft in den letzten Jahren reduziert. Sektoren wie der Tourismus und die Luftfahrt haben dafür an Bedeutung gewonnen. Dennoch sind die VAE weiterhin in hohem Maße vom Handel abhängig und 98 Prozent des BIP entfallen auf Exporte.
Mit Blick auf die Zukunft wird erwartet, dass die Region ihren derzeitigen Platz in der WELT-Liste bis zum Jahr 2039 halten wird. Das prognostizierte jährliche Wachstum liegt bei zwischen 4,3 und 4,7 Prozent.
Singapurs Wirtschaft ist äußerst produktiv und sehr wettbewerbsfähig. Die Menschen haben im Durchschnitt ein hohes Einkommen. Das BIP pro Kopf ist sogar das vierthöchste innerhalb der Top-31-Nationen und die Arbeitslosenquote ist die zweitniedrigste in dieser Runde. Der Stadtstaat ist für sein unternehmensfreundliches Umfeld mit einer erstklassigen Infrastruktur bekannt und verfügt über einen hoch entwickelten Produktionssektor, der die Wirtschaft entscheidend treibt. Singapurische Exporte machen 187,6 Prozent des BIP aus.
Bis 2039 wird ein durchschnittliches Jahreswachstum von zwischen 2,3 und 2,5 Prozent erwartet. Das sind sehr respektable Werte für eine hoch entwickelte Wirtschaft. Dennoch fällt Singapur auf Basis dieser Prognose in der WELT-Aufstellung um sechs Plätze zurück.
In Israel haben die Menschen im Durchschnitt ein hohes Einkommen und die Wirtschaft ist diversifiziert. Zu den herausragenden Sektoren gehören die Bereiche Hightech, chemische Industrie und Unternehmensdienstleistungen. Die Auseinandersetzungen mit der Hamas und der Hisbollah haben jedoch nicht nur großes menschliches Leid verursacht, sondern auch viel gekostet. 2024 lagen die Ausgaben des Landes, die mit militärischen Konflikten im Zusammenhang stehen, bei 28 Milliarden US-Dollar (24 Milliarden Euro). Die Staatsverschuldung ist daher auf 69 Prozent des BIP gestiegen und das Wirtschaftswachstum hat sich infolgedessen im vergangenen Jahr deutlich verlangsamt.
Für die nächsten Jahre wird erwartet, dass sich dieser Trend umkehrt und die Wirtschaft bis 2039 im Durchschnitt zwischen drei und 3,4 Prozent wächst. Damit klettert das Land im WELT-Ranking, wo es aktuell auf Platz 30 steht, einen Platz nach oben auf Rang 29.
Irland ist eine einkommensstarke Volkswirtschaft, die sich in einer höheren Liga behauptet, als es die Größe des Landes vermuten ließe. Das Land weist das zweithöchste Pro-Kopf-BIP der Top 31 und die beste Arbeitsproduktivität auf. Das irische BIP und andere Wirtschaftsindikatoren werden jedoch durch die große Zahl multinationaler Unternehmen verzerrt, die dort ihren Sitz haben und ihre Gewinne ausweisen.
Nichtsdestotrotz ist die exportorientierte Wirtschaft des Landes sehr solide, mit besonderen Stärken in den personell qualitativ hochwertig ausgestatteten Bereichen Pharmazeutika und Elektronik. Negativ zu vermerken ist, dass Irland wahrscheinlich mehr als die meisten EU-Länder unter Trumps Strafzöllen leiden wird, da die grüne Insel einen Handelsüberschuss von 86,7 Milliarden US-Dollar (75 Milliarden Euro) mit den USA hat. Das ist einer der größten weltweit.
Für Irland wird bis 2039 ein jährliches BIP-Wachstum von zwischen 1,9 und 2 Prozent prognostiziert. Da andere Volkswirtschaften schneller wachsen, rutscht das Land im WELT-Ranking damit um acht Plätze nach unten.
Das wohlhabende Hochlohnland Schweden hat in der EU das sechstgrößte BIP pro Kopf. Die Wirtschaft des Landes basiert auf dem Dienstleistungssektor und der internationale Handel ist entscheidend. So exportiert Schweden Waren und Dienstleistungen im Wert von 17,6 Milliarden US-Dollar (15 Milliarden Euro) in die USA, dem drittwichtigsten Handelspartner des Landes. Das Importvolumen aus Amerika liegt jedoch bei nur knapp 7,3 Milliarden US-Dollar (6,3 Milliarden Euro), sodass sich Trumps EU-Zölle negativ auswirken könnten.
Für die nächsten 14 Jahre wird für Schweden ein jährliches BIP-Wachstum von zwischen 1,9 und 2,2 Prozent erwartet. Das ist für eine hoch entwickelte Wirtschaft zwar mehr als zufriedenstellend, das Land droht im globalen WELT-BIP-Ranking dennoch um sechs Plätze abzusteigen. Der Grund: Für andere Staaten – vor allem Entwicklungsländer – wird eine stärkere Wirtschaftsleistung prognostiziert.
In Argentinien haben die Menschen im Durchschnitt ein mittleres Einkommen im oberen Bereich. Das Land ist ressourcenreich, einschließlich großer Erdgas- und Lithiumreserven, und verfügt über einen hoch entwickelten Produktions- und Dienstleistungssektor.
Trotz dieser günstigen Voraussetzungen präsentiert sich die argentinische Wirtschaft aber schon seit Jahren als scheinbar hoffnungsloser Fall. Das Land ist hoch verschuldet, hat einer der niedrigsten Pro-Kopf-BIP in dieser Aufstellung und die höchste Inflationsrate, die 2024 sogar 120 Prozent überschritt. Die drastischen Wirtschaftsreformen des derzeitigen Präsidenten Javier Milei zielen darauf ab, diese und andere Probleme anzugehen. Auf dem Weg dahin haben die Maßnahmen aber kurzfristig für noch mehr Arbeitslosigkeit gesorgt und mehr Menschen sind in die Armut gerutscht.
Bis 2039 wird ein Wirtschaftswachstum von zwischen 2,3 und 3,9 Prozent pro Jahr prognostiziert. Dies würde ausreichen, um Argentinien im WELT-Ranking um neun Plätze nach oben zu bringen.
Belgien ein wohlhabendes Hochlohnland mit einer relativ geringen Einkommensungleichheit. Die Wirtschaft ist dienstleistungsorientiert, aber auch der Fertigungssektor ist wichtig und hier vor allem die Pharma- und Elektronikindustrie. Belgien ist mehr als Schweden vom Handel abhängig und Exporte machen 84 Prozent des BIP aus. Das Land hat zudem einen Handelsüberschuss von 6,4 Milliarden US-Dollar (5,5 Milliarden Euro) mit den USA, sodass US-Zölle ein besonderes Problem sind.
Die langfristige Prognose geht für Belgien bis 2039 von mäßigem Wirtschaftswachstum aus, was in der WELT-Aufstellung einen Abstieg von neun Plätzen mit sich bringt.
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Taiwan ist ein Hochlohnland mit einer dynamischen und exportorientierten Wirtschaft, die für ihre Technologiebranche bekannt ist. So ist das Land den letzten Jahren zu einem weltweit führenden Halbleiterhersteller geworden. Der seit Jahrzehnten schwelende China-Taiwan-Konflikt ist allerdings ein Pulverfass und wäre – sollte es zum Schlimmsten kommen – verheerend für den Inselstaat. Laut einer Expertenschätzung könnte das BIP des Landes bei einem Krieg mit China um zwölf Prozent schrumpfen. Und diese Prognose ist wahrscheinlich noch konservativ.
Sofern der Konflikt nicht ausbricht, wird für Taiwan bis 2039 ein jährliches Wirtschaftswachstum zwischen 2,1 und 2,5 Prozent vorhergesagt. Damit verliert das Land im WELT-Ranking zwei Plätze.
In der sehr wohlhabenden Schweiz ist alles „hoch“: die Löhne, der Lebensstandard und das BIP pro Kopf, das in den Top 31 der größten Volkswirtschaften nur von zwei anderen Ländern geschlagen wird.
Die äußerst wettbewerbsfähige Wirtschaft des Landes stützt sich auf ihren gut laufenden Dienstleistungssektor mit besonderen Höchstleistungen in den Bereichen Finanzdienstleistungen und Fertigung, einschließlich Pharmazeutika und Elektronik. Das Land ist stark vom Handel abhängig. Donald Trumps Importzölle von 39 Prozent auf Schweizer Waren könnte daher tiefgreifende Auswirkungen haben. Die Schweiz exportiert vor allem Medikamente in die USA, aber auch andere Produkte wie Uhren, Käse oder Schokolade.
Bis 2039 wird für die Schweiz ein gedämpftes BIP-Wachstum erwartet, sodass es in der prognostizierten WELT-Liste um zwei Plätze nach unten geht.
Das polnische Wirtschaftswachstum der letzten Jahrzehnte war außergewöhnlich und die Nation entwickelte sich in rasantem Tempo zu einem Hochlohnland. Heute ist Polen eine der größten Volkswirtschaft in der EU. Da Polen mehr aus Amerika importiert als es dorthin exportiert, sind US-Zölle eine geringere Sorge.
Bis 2039 wird ein durchschnittliches Wachstum von zwischen 2,8 und 3,2 Prozent pro Jahr prognostiziert. Im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Ländern, für die keine Änderung oder ein Abstieg im Ranking der 40 stärksten Volkswirtschaften vorhergesagt wird, klettert Polen damit einen Platz nach oben.
Öl und Erdgas sind nach wie vor der Motor der billionenstarken Wirtschaft Saudi-Arabiens, aber genau wie die Vereinigten Arabischen Emirate unternimmt das Hochlohnland große Schritte in Richtung grüne Energien und Diversifizierung und hat dafür die ehrgeizige Initiative „Saudi Vision 2030“ aufgesetzt.
Mit der Erschließung neuer Bereiche wird bis 2029 ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von jährlich 3,9 Prozent sowie von 3,5 Prozent im Folgejahrzehnt erwartet. Damit steigt Saudi-Arabien in der WELT-Aufstellung um zwei Plätze auf.
Die Niederlande sind nicht nur ein Hochlohnland, sondern auch das Land mit der besten Einkommensgleichheit aller 31 führenden Volkswirtschaften. Die Wirtschaft ist dienstleistungsorientiert mit Stärken in den Bereichen Logistik, Finanzen und Tourismus. Auch die Branchen Petrochemie, Technologie und Lebensmittelverarbeitung reüssieren international und das Land ist der zweitgrößte Agrar-Exporteur der Welt. Als Exportnation mit dem weltweit größten Handelsdefizit mit Amerika in Höhe von 55 Milliarden US-Dollar (48 Milliarden Euro) dürften die Niederlande von den Zöllen auf EU-Waren weitgehend verschont bleiben.
Bis 2039 wird ein jährliches Wirtschaftswachstum von zwischen 1,4 und 1,6 Prozent erwartet, womit die Niederlande in der WELT-Aufstellung um zwei Positionen zurückfallen.
Indonesien wird als Land mit mittlerem Einkommen im oberen Bereich klassifiziert. Die aufstrebende Wirtschaftsmacht hat große Vorräte an natürlichen Ressourcen, eine junge Bevölkerung und eine wachsende Dienstleistungsbranche, die vom Tourismus angetrieben wird. Die Wirtschaft muss allerdings dringend diversifiziert werden und aktuell hat das Land noch eines der niedrigsten Pro-Kopf-BIP unter den Top 31.
Dennoch wird für Indonesien bis 2039 ein Wachstum von zwischen 4,3 bis 4,7 Prozent pro Jahr erwartet, womit das Land laut der Einschätzung des britischen Cebr-Instituts in seiner WELT-Liste zur zehntgrößten Volkswirtschaft der Welt aufsteigt.
Wie Indonesien gehört die Türkei in die Kategorie der Länder mit mittlerem Einkommen im oberen Bereich. Die Wirtschaft ist relativ divers und wird durch einen jeweils robusten Fertigungs- und Dienstleistungssektor gestützt. Ein Viertel der Arbeitskräfte ist allerdings weiterhin in der Agrarwirtschaft beschäftigt und eine Reihe der wirtschaftlichen Indikatoren sehen nicht gut aus. So hat die Türkei eine der höchsten Arbeitslosenquoten unter den Top 31, die zweithöchste Inflationsrate von 35 Prozent sowie eine hohe Einkommensungleichheit und Auslandsverschuldung.
Auf dieser Basis wird bis 2039 ein durchschnittliches Wachstum von zwischen 2,9 und 3,2 Prozent pro Jahr prognostiziert. Damit behält die Türkei ihren derzeitigen WELT-Rang bei – im Gegensatz zu vielen anderen Ländern in derselben Einkommenskategorie, für die es in der Vorhersage nach oben geht.
Mexiko ist ein weiteres Land mit mittlerem Einkommen im oberen Bereich. Sein Fertigungssektor ist stark und neben der zunehmenden Qualifizierung der Arbeitskräfte im Land gibt es diverse andere wirtschaftliche Pluspunkte. Dies wird allerdings durch eine ganze Reihe von Faktoren beeinträchtigt. Dazu gehören die hartnäckig niedrige Produktivität und geringe Wettbewerbsfähigkeit sowie das hohe Maß an Einkommensungleichheit, die hohe informelle Beschäftigung und die extreme Kriminalitätsrate, hinter der die Aktivitäten der mexikanischen Drogenkartelle stehen. Mit 171,8 Milliarden US-Dollar (148 Milliarden Euro) hat das Land zudem einen der weltweit größten Handelsüberschüsse mit den USA, was es besonders anfällig für Trumps Strafzölle macht.
Bei einem bescheidenen Wachstum von durchschnittlich 1,8 Prozent bis Ende des Jahrzehnts und von 1,9 Prozent in den nächsten zehn Jahren, wird letztendlich erwartet, dass sich Mexiko bis 2039 in der WELT-Liste nicht nach oben bewegen wird.
Das wirtschaftliche Wohlergehen des Hochlohnlandes Australien hängt entscheidend von seinem Bergbausektor ab, aber auch die Branchen Dienstleistungen, Fertigung und Agrarwirtschaft sind gut entwickelt. Australiens Exporte nach Amerika schlagen nur wenig ins Gewicht, sodass Zölle auf australische Waren und Dienstleistungen keine großen direkten Konsequenzen haben würden. Indirekt könnten sie aber durchaus Auswirkungen haben, denn Australiens wichtigster Handelspartner ist China. Sollten Trumps Zölle auf chinesische Importe die Wirtschaft der Volksrepublik also spürbar beeinträchtigen, würde das Australien sehr wahrscheinlich auch zu spüren bekommen.
In den kommenden 14 Jahren wird für Australien ein stetiges Wachstum erwartet, sodass die derzeitige Position im WELT-Ranking der größten Volkswirtschaften der Welt gehalten wird.
Südkorea ist ein Hochlohnland mit einem florierenden Dienstleistungssektor und Stärken in der Fertigungsbranche, vor allem bei Technologieprodukten. Wirtschaftliche Herausforderungen gibt es in Gestalt einer schnell alternden Bevölkerung und politischer Instabilität. Dazu kommen Spannungen mit Nordkorea und die Aussicht auf US-Zölle auf die Exporte des Landes. Da Südkorea einen Handelsüberschuss von 66 Milliarden US-Dollar (57 Milliarden Euro) mit Amerika hat, wäre es im Vergleich zu Ländern mit einem Handelsdefizit oder einem geringeren Überschuss stärker betroffen.
In seinem WELT- Ranking platziert das britische Cebr-Institut Südkorea bis 2039 mit einem prognostizierten jährlichen Wachstum von etwa zwei Prozent auf Platz zwölf der größten Volkswirtschaften, womit es seinen aktuellen Platz halten würde.
Zu den wirtschaftlichen Standbeinen des Hochlohnlandes Spaniens gehören neben industrieller Fertigung, Finanzdienstleistungen und der chemischen Industrie die Bekleidungsbranche und der Tourismus – Spanien ist nach Frankreich das meistbesuchte Land der Welt. Es gibt viele wirtschaftliche Pluspunkte, darunter hoch qualifizierte Arbeitskräfte und eine hervorragende Infrastruktur. Die Arbeitslosigkeit ist allerdings ein großes und anhaltendes Problem.
Bis 2039 wird ein durchschnittliches Wachstum von zwischen 1,8 und 2,1 Prozent prognostiziert – nicht genug, um die derzeitige Position im WELT-Ranking zu halten. Stattdessen wird von einem Abstieg um zwei Plätze ausgegangen.
Im Jahr 2023 stieg Russland in die Weltbank-Kategorie der Länder mit hohem Einkommen auf. Dahinter stehen die erhöhten Militärausgaben aufgrund der Invasion der Ukraine, die trotz der Sanktionen die Wirtschaftstätigkeit im Land ankurbelten. Die russische Wirtschaft hat sich damit – auch gestützt durch den zunehmenden Handel mit Ländern wie China und Indien – als bemerkenswert widerstandsfähig erwiesen. Allerdings ist die Inflation inzwischen zu einem großen Problem geworden und isoliert vom Westen sind die wirtschaftlichen Aussichten Russlands düster.
Für den Rest dieses Jahrzehnts prognostizieren die Wirtschaftsexperten des Cebr ein durchschnittliches Wachstum von nur 1,2 Prozent pro Jahr und im Folgejahrzehnt von sogar nur noch einem Prozent jährlich. Damit rutscht Russland im WELT-Ranking bis 2039 um drei Plätze nach unten.
Die brasilianische Wirtschaft stützt sich auf ihren Reichtum an natürlichen Ressourcen, einen robusten Fertigungssektor und einen starken Arbeitsmarkt, wird aber durch hohe Staatsschulden und mangelnde Wettbewerbsfähigkeit gebremst. Erschwerend kommt hinzu, dass Brasilien eines der niedrigsten Pro-Kopf-BIP der 31 stärksten Volkswirtschaften hat und die zweitgrößte Einkommensungleichheit aufweist.
In den nächsten 14 Jahren prognostizieren die Experten des Cebr-Instituts ein durchschnittliches Jahreswachstum von etwa zwei Prozent, was für ein Land mit mittlerem Einkommen im oberen Bereich enttäuschend ist. Nichtsdestotrotz wird erwartet, dass Brasilien damit bis 2039 im WELT-Ranking um drei Plätze aufsteigt.
Kanadas reichhaltige natürliche Ressourcen und nicht zuletzt die riesigen Erdöl- und Erdgasvorkommen haben entscheidend zur wirtschaftlichen Größe des Landes beigetragen, das zudem einen leistungsfähigen Dienstleistungssektor hat. Die aktuelle Lage ist allerdings nicht rosig: Die Verschuldung ist zu einem großen Problem geworden und die von der Trump-Regierung gegen Kanada verhängten Zölle dürften dem Land aufgrund seiner übermäßigen Abhängigkeit von den USA und seines hohen Handelsüberschusses von 63,3 Milliarden US-Dollar (55 Milliarden Euro) empfindlich schaden.
In dem vor diesen aktuellen Entwicklungen veröffentlichten WELT-Ranking wird für Kanada in den nächsten 14 Jahren ein Wachstum erwartet, das sich zwischen 1,6 und 1,8 Prozent im Jahr bewegt. Damit fällt das Jahr in der Rangliste bis 2029 um einen Platz zurück, bevor es bis 2039 wieder einen Rang nach oben klettert.
Unternehmens- und Finanzdienstleistungen, Landwirtschaft und Industrie, Forschung in Wissenschaft und Informationstechnologie, Tourismus, Mode und Design – Italien macht alles. Gleichzeitig ist das Land hoch verschuldet, hat eine große Schattenwirtschaft und seine Bevölkerung gehört zu den am schnellsten alternden weltweit. Aufgrund eines Handelsüberschusses von 44 Milliarden US-Dollar (38 Milliarden Euro) mit den USA ist das südeuropäische Land zudem stärker als die meisten anderen Volkswirtschaften von US-Zöllen auf EU-Exporte betroffen.
Bis 2039 wird erwartet, dass Italiens BIP jährlich um 0,7 bis 0,8 Prozent wächst. Wenig überraschend rutscht das Land damit in den nächsten 14 Jahren in der WELT-Liste drei Plätze nach unten.
Zu Frankreichs wirtschaftlichen Stärken gehören der Dienstleistungssektor, das verarbeitende Gewerbe und die Landwirtschaft. Besonders in den Bereichen Luftfahrt, Energie und Luxusgüter sticht das Hochlohnland hervor. Auch der Tourismus ist in dem beliebtesten Urlaubsland der Welt ein wichtiger Motor, der die Wirtschaft am Laufen hält. Problematisch sind die vergleichsweise hohe Arbeitslosigkeit und Verschuldung.
Zwischen 2025 und 2039 wird ein jährliches Wachstum von im Durchschnitt nur knapp über einem Prozent erwartet. Dennoch bleibt Frankreich damit während des gesamten Prognosezeitraums aus Sicht des Cebr-Instituts die siebtgrößte Volkswirtschaft der Welt.
Die britische Wirtschaft ist in hohem Maße dienstleistungsorientiert, wobei ein besonderer Fokus auf Finanzdienstleistungen, dem Einzelhandel sowie Freizeit- und Kulturbereich liegt. Dem Land wird zudem zugesprochen, die europäische Nation mit der größten Soft Power zu sein. Damit wird die Fähigkeit eines Landes zur politischen Einflussnahme bezeichnet, ohne dass auf wirtschaftliche Anreize oder militärische Bedrohungen zurückgegriffen wird.
Neben dem Dienstleistungssektor hat Großbritannien auch hochwertige Automobil-, Luftfahrt- und Pharmaindustrien, deren Erzeugnisse weltweit gefragt sind. Aufgrund eines Handelsdefizits von 11,9 Milliarden US-Dollar (10 Milliarden Euro) mit Amerika sollten Trump-Zölle nicht weiter zu Buche schlagen. Zu den Schwächen gehören dagegen die anhaltenden wirtschaftlichen Auswirkungen des Brexits.
Für die nächsten 14 Jahre wird ein durchschnittliches Wachstum von zwischen 1,3 und 1,8 Prozent erwartet. Das ist zwar nicht sonderlich beeindruckend, reicht laut der Prognosen aber, dass Großbritannien bis 2039 im WELT-Ranking die sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt bleibt.
Die indische Wirtschaft wird immer stärker und die rasche Industrialisierung und der boomende Dienstleistungssektor des Landes treiben das Wachstum auf eine Weise an, von der andere Länder nur träumen können. Indien ist inzwischen die bevölkerungsreichste Nation der Welt. Das Land, in dem die Menschen im Durchschnitt ein mittleres Einkommen im unteren Bereich haben, profitiert von einer hochgebildeten und zunehmend qualifizierten jungen Erwerbsbevölkerung. Dennoch hat Indien eine der höchsten Arbeitslosenquoten unter den 31 größten Volkswirtschaften und eines der niedrigsten BIP pro Kopf. Die bittere Armut nimmt zwar ab, bleibt aber für Millionen von Menschen in Indien weiterhin eine Tatsache.
Die Zukunft des Landes sieht laut der Analyse des Cebr jedoch rosig aus. Die Prognosen für das jährliche Wirtschaftswachstum sind so gut, dass Indien im WELT-Ranking bereits 2029 den Platz als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt einnimmt.
Japan ist bekannt für seine hochmodernen Technologieprodukte, aber auch der nichttechnologische Fertigungssektor und der vielfältige Dienstleistungsbereich sind stark. Das Wirtschaftswachstum ist allerdings trotzdem seit Jahrzehnten schwach. Die Verschuldung liegt bei weit über 200 Prozent des BIP und die japanische Bevölkerung gehört zu den am schnellsten alternden der Welt. Zölle auf die Exporte des Landes sind ein weiteres großes Problem, denn Japan hat einen Handelsüberschuss von 68,5 Milliarden US-Dollar (59 Milliarden Euro) mit den USA.
Die Wachstumsprognose bis 2039 liegt zwischen niedrigen 0,6 und 0,9 Prozent jährlich, womit das Land im WELT-Ranking seinen derzeitigen Platz als viertgrößte Volkswirtschaft dennoch behält.
Das verarbeitende Gewerbe in Deutschland mag im europäischen Vergleich traditionell eine Spitzenposition innehaben. Spätestens seit dem russischen Einmarsch in der Ukraine ist der Wirtschaftsmotor aber ins Stottern geraten, denn die dadurch ausgelösten Energiepreisschocks bereiten der größten Volkswirtschaft der EU Probleme. Arbeitslosigkeit ist zwar niedrig, aber hohe Energiekosten und eine schwache Nachfrage beeinträchtigen die Wirtschaftsleistung des Landes. Zölle auf seine Exporte sind das Letzte, was Deutschland jetzt gebrauchen kann: Der Handelsüberschuss mit den USA liegt bei 84,8 Milliarden US-Dollar (73 Milliarden Euro). Die Bundesrepublik ist also mehr betroffen als viele andere EU-Nationen.
Die Wachstumsprognosen für die nächsten 14 Jahren von zwischen 0,8 und einem Prozent liegen weit unter den historischen Durchschnittswerten Deutschlands. Im WELT-Ranking wird die Bundesrepublik daher bis 2039 von Indien überholt und fällt auf den vierten Platz zurück.
In den letzten Jahrzehnten hat sich die Wirtschaft Chinas geradezu spektakulär entwickelt und die Volksrepublik ist zu einer weltweit führenden Fertigungs- und Exportnation geworden. Das Land mit mittlerem Einkommen im oberen Bereichen ist zudem inzwischen ein Vorreiter in Sachen Innovation.
Derzeit hat China jedoch mit wirtschaftlichen und sozialen Problemen zu kämpfen: Der Immobilienmarkt ist rückläufig, das Verbrauchervertrauen niedrig, die Staatsverschuldung ist exorbitant, die Jugendarbeitslosigkeit hoch und die Bevölkerung altert rasch. Außerdem ist das Pro-Kopf-BIP nach wie vor relativ gering. Die US-Zölle auf Importe aus China verschlimmern die Lage nur noch, denn China hat mit gewaltigen 294,4 Milliarden US-Dollar (254 Milliarden Euro) den größten Handelsüberschuss mit Amerika. Und sollte China in Taiwan einfallen, würde das die Wirtschaft des Landes wahrscheinlich unwiderruflich schädigen.
Anfang des 21. Jahrhunderts ging man noch davon aus, dass China die USA bereits 2020 als größte Weltwirtschaft ablösen würde. Inzwischen ist es aber zweifelhaft, ob das jemals passieren wird.
Die mächtige US-Wirtschaft scheint unantastbar zu sein und behauptet unangefochten ihren Spitzenplatz als größte Volkswirtschaft der Welt. Ob natürliche Ressourcen oder die weltweit führenden Technologie-, Finanzdienstleistungs-, Gesundheits- und Einzelhandelsbranchen – Amerika ist überall die Nummer eins. Der US-Dollar ist de facto die globale Reservewährung und der amerikanische Aktienmarkt ist der größte und einflussreichste der Welt.
Aber auch die US-Wirtschaft steht vor Herausforderungen. Dazu gehören die ausufernde Staatsverschuldung und die anhaltende Einkommensungleichheit – und auch wenn Trumps geplante Steuersenkungen wahrscheinlich für einen Aufschwung sorgen werden, könnten seine Zölle und die strengeren Einwanderungsregeln das Wachstum letztlich behindern. So oder so, die USA dürften auf absehbare Zeit der wirtschaftliche Platzhirsch der Welt bleiben.
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