In einem abgeschotteten Land, in dem Hunger und Hinrichtung eine fortwährende Bedrohung sind, wartet eine hilflose Bevölkerung „auf ihren Tod“ – das berichtet der britische Sender BBC. In Nordkorea versuchen verzweifelte Bürger in einem korrupten Staat zu überleben, der existenzielle Nahrungsmittelimporte beschränkt und lieber Raketen in die Luft jagt, statt seinem Volk ein faires Gehalt zu zahlen.
Die meisten Außenstehenden wissen nur wenig darüber, was tatsächlich hinter der Grenze des geheimnisvollen Staates vor sich geht. Klicken oder scrollen Sie sich hier durch 29 Fakten über den nordkoreanischen Alltag, von florierenden Schwarzmarktgeschäften über staatlich verbotene Haarschnitte bis hin zu grausamen Straflagern.
(Alle Fremdwährungen wurden in Euro umgerechnet.)
Das Jahr 2023 liegt in Nordkorea noch in weiter Ferne. 1997 verabschiedete sich die Regierung vom gregorianischen Kalender und ersetzte ihn durch die Juche-Version, die auf dem Geburtsdatum des früheren Diktators Kim II-sung, dem 5. April 1912, basiert. Laut nordkoreanischer Rechnung schreiben wir derzeit das Jahr 112.
Laut Transparency International liegt Nordkorea zusammen mit Haiti und Libyen auf Platz sechs der korruptesten Länder der Welt. Das ist zwar eine Verbesserung gegenüber 2016, als das Land noch hinter dem kriegszerrütteten Somalia auf Platz zwei lag. Dennoch steht außer Frage, dass Nordkorea noch einen weiten Weg vor sich hat, bevor es sich zu den „sauberen“ Ländern der Welt zählen kann.
Obwohl das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Nordkoreas auf respektable 17,4 Milliarden Euro geschätzt wird, weisen die jüngsten Daten des US-Geheimdienstes CIA auf ein Pro-Kopf-BIP von nur 1.560 Euro hin. Das ist eines der niedrigsten der Welt und das niedrigste außerhalb Afrikas. Tatsächlich lebt die Mehrheit der Nordkoreaner in Armut. Nach Angaben der Weltbank arbeiten erschreckende 59 Prozent der Bevölkerung in der Landwirtschaft, wo die Löhne zwischen 90 Cent und etwa 1,80 Euro pro Monat liegen.
Die Organisation Human Rights Watch und die südkoreanische Regierung schätzen, dass 150.000 bis 200.000 Nordkoreaner in Gefangenenlagern leben. Die Bedingungen dort sind extrem hart, insbesondere für jene, die aus politischen Gründen verhaftet wurden. Hier abgebildet ist ein nordkoreanisches Arbeitslager in Sibirien.
Sie hassen Ihren Job? Dann denken Sie an die Nordkoreaner. Den meisten Bürgern und Bürgerinnen wird nach dem Abitur eine Arbeit zugewiesen, die sie den Rest ihres Lebens ausführen müssen. Es sei denn, sie können genug Geld zusammenkratzen, um einen Beamten zu bestechen. Die meisten sind der Landwirtschaft zugeordnet. In den Städten stellen Lehrer, Fabriksarbeiter und Friseure die Mehrheit.
Da die männlichen Berufe in der Regel stärker reglementiert sind, arbeiten Frauen tatkräftig am Überlebensunterhalt mit. Oft wird diese Einkommensaufbesserung durch den Verkauf von Schmuggelware wie Medikamenten, Obst oder Zigaretten erzielt. So auch die BBC-Informantin Ji Yeon (Name geändert). Die Verkäuferin stahl früher Produkte, um sie auf den informellen Märkten zu verdicken, was nach ihren Aussagen aber zunehmend schwieriger wird. So sagte es Yeon gegenüber dem Sender, dass es ihr die Behörden mit „strengeren Kontrollen unmöglich“ gemacht hätten, ihren Nebenerwerb weiter zu betreiben. Schließlich könne sich in der heutigen Zeit niemand mehr erlauben, etwas zu verlieren.
Einzig diejenigen, die in die beiden obersten Statusklassen geboren werden, dürfen in Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang leben – das sind etwa zehn Prozent der Bevölkerung. Der Rest muss sein Dasein auf dem Land fristen, wo die Bedingungen hart sind und die Ressourcen immer knapper werden.
Laut aktuellen Daten des Online-Portals Statista gibt die nordkoreanische Regierung rund 24 Prozent ihres BIP für Verteidigung aus – mehr als jedes andere Land. Zum Vergleich: Im zweitplatzierten Oman sind es 10,9 Prozent.
Dass Kim Jong-un die militärische Machtdemonstration wichtiger ist als das Wohlergehen seines Volkes, wurde vor Kurzem erneut deutlich. Der fehlgeschlagene Start eines Spionagesatelliten wurde von offizieller Seite als „schwerstes“ Versagen des Landes in diesem Jahr bezeichnet. Kein Wort über die verheerende Hungersnot, die unzählige Familien in Nordkorea das Leben kosten könnte.
Die nordkoreanische Gesellschaft basiert auf einem strengen Klassensystem, das als „Songbun“ bekannt ist. Jeder Bürger und jede Bürgerin landet je nach Status des Vaters in einer der fünf Stufen: „besonders“, „Kern“, „einfach“, „komplex“ und „feindselig“. Diese sind in weitere 50 Unterklassen geteilt, wobei die konkrete Einstufung von der Art des Jobs abhängt, die einem für das Erwachsenenleben zugeteilt wird.
Nordkoreas Vorzeigeprojekt für luxuriösen Wohnungsbau ist die Ryomyong-Straße, die wegen der zahlreichen und bis zu 80 Stockwerke hohen Wolkenkratzer von der internationalen Presse auch Pjönghattan genannt wird. Die dortigen Apartments kommen mit Annehmlichkeiten daher, die es sonst in Nordkorea kaum gibt: Zum Beispiel 24-Stunden-Strom und funktionierende Fahrstühle. Die schnieken Wohnungen werden Superreichen zu Preisen von bis zu 230.000 Euro angeboten – unter der Hand, versteht sich.
Nach nordkoreanischem Recht kann jeder, der ein Haus verkauft, kauft oder mietet, zu jahrelanger Zwangsarbeit verurteilt werden. Personen, die im selben Stadtviertel wohnen, dürfen jedoch ihre Wohnungen tauschen. Illegale Immobilienverkäufe sind in der Elite dennoch gang und gäbe. Und wenn mal einer erwischt wird, kann er sich meist durch Schmiergeldzahlungen reinwaschen. Das Bild zeigt Bewohner der Provinz Hwanghae-pukto, die von Soldaten in ihre neuen Unterkünfte geführt werden, nachdem ihre Häuser im Sommer 2020 durch Überschwemmungen beschädigt worden waren.
Pjöngjangs prominentestes Prestigeobjekt ist bis heute nicht fertiggestellt. Eigentlich sollte das Ryugyŏng-Hotel (im Bild), das sich wegen Geldmangels seit 1987 immer noch im Bau befindet, schon 2012 eröffnet werden. 2018 brachte man an einer Außenseite des kolossalen Megaprojekts LED-Screens an, auf denen seitdem Propaganda-Filmchen laufen. Aus dem geplanten Wolkenkratzer mit 3.000 Hotelzimmern und sieben Restaurants ist also nicht viel mehr als ein überdimensionaler Fernseher geworden. Laut Medienberichten kosteten der Bau des Prestigeprojekts umgerechnet rund 650 Millionen Euro, was in etwa zwei Prozent des damaligen BIP des Landes entsprach.
Menschen mit angemessenem „Songbun“ haben Zugang zu Pjöngjangs stetig wachsendem Schwarzmarkt. Und somit zu Luxusartikeln wie importierte Elektronikgeräte und hochwertige Lebensmittel. Diese illegalen Geschäfte werden weitgehend vom Regime geduldet. Einem Reuters-Bericht von 2015 zufolge sind die Schwarzmarktwaren inzwischen so allgegenwärtig, dass die Regierung bei anstehenden Wirtschaftsreformen „die Realitäten des Marktes berücksichtigen muss", um nicht „die Kontrolle zu verlieren“.
Nordkoreas privilegierte Schichten haben keine Porbleme an gutes Essen zu kommen. Ihnen stehen die besten Restaurants von Pjöngjang jederzeit offen. Der Großteil der Bevölkerung hingegen muss sich mit äußerst mageren Rationen zufrieden geben. 2019 kürzte die Regierung diese auf 300 Gramm pro Person und Tag. Das UN-Welternährungsprogramms stellte in einer Studie fest, dass ärmere Familien nur wenige Male pro Jahr Proteine zu sich nehmen.
Nach Recherchen des britischen Senders BBC hat die aktuelle Lebensmittelknappheit inbesondere nach der Corona-Pandemie katastrophale Ausmaße angenommen. So sollen schätzungsweise 40 Prozent der Bevölkerung unterernährt sein. Wie drei Nordkoreaner den Journalisten in einem Geheimgespräch verrieten, sind ihnen bekannte Familien bereits verhungert.
In Nordkorea stehen nicht nur drei riesige Statuen der Kims, das Regime legt auch sonst viel Wert auf Superlative. Ein gutes Beispiel dafür ist das Rungrado-Stadion des 1. Mai, das sich in der Hauptstadt in Pjöngjang befindet. Mit einer Fläche von 20 Hektar hatte es zu seiner Eröffnung 1989 mehr Sitzplätze als jedes andere auf der Welt. Jüngste Renovierungen sollen die Kapazität auf angeblich 150.000 Plätze verringert haben.
Die nordkoreanische Oberschicht wendet sich vermehrt Smartphones zu. Im Jahr 2020 sollen rund sechs Millionen ein Handy besessen haben. Anrufe und SMS werden natürlich streng überwacht, internationale Anrufe gesperrt.
Um besagte Sperre zu umgehen, nutzen viele Nordkoreaner aus China eingeschmuggelte Handys und SIM-Karten. Diese kosten rund 457 Euro an Bestechungsgeldern für Grenzschutzbeamte und können chinesische Mobilfunknetze empfangen. Doch das Risiko ist hoch: Da der Besitz dieser Geräte illegal ist, kann er Handynutzern mehrere Jahre Zwangsarbeit in einem Gefangenenlager einbringen.
So berichtete einer der erwähnten BBC-Kontakte aus Nordkorea, dass ein Bekannter von ihm „für mehrere Jahre“ in ein Umerziehungsgefängnis gesteckt wurde, nachdem er beim Telefonieren erwischt worden war.
Dieses Bild zeigt einen nordkoreanischen Grenzbeamten in Sinuiju, der ein Schiff aus der chinesischen Stadt Dandong beim Entladen beobachtet.
Nordkoreas „Internet“ ist laut Medienberichten eine Art einfaches Firmen-Intranet mit gerade einmal 5.500 Seiten. Alle ausländischen Websites sind gesperrt. Computer stehen nur ausgewählten Bürgern zur Verfügung und die Nutzung wird rigoros überwacht. Zu den staatlich erlaubten Websites zählt etwa jene der staatlichen Fluggesellschaft des Landes, Air Koryo. Dazu können Nutzer auf Naenara zugreifen, ein Propaganda-Webportal, das bei seiner Einführung 1996 zu einer der ersten Online-Seiten Nordkoreas zählte.
Dennoch ist Nordkoreas Netz nicht völlig von der Außenwelt abgeschirmt. Es wurde von einem „einzelnen amerikanischen Hacker“ namens P4x ausgetrickst, der es mit künstlichem Datenverkehr zum Erliegen brachte. Er rächte sich für einen Cyberangriff, der 2021 vermutlich von nordkoreanischen Spionen ausgeführt worden war.
Die Zentralbank Nordkoreas, die Koryo Bank, gibt nur eine begrenzte Anzahl von Karten aus. Dazu zählt die Narae, eine sehr einfache Kreditkarte, die von Nordkoreas Elite für Devisentransaktionen verwendet wird. Der Haken: Sie ist nur in ausgewählten Kaufhäusern in Pjöngjang gültig. Die überwiegende Mehrheit der Nordkoreaner verwendet ausschließlich Bargeld, viele Geschäfte akzeptieren auch US-Dollar.
Obwohl die meisten Nordkoreaner bar bezahlen, gibt es im Land nur wenige Geldautomaten. Zwei davon befinden sich am internationalen Flughafen Sunan in Pjöngjang (im Bild), doch sie sind hauptsächlich für Touristen und wohlhabende chinesische Geschäftsleute gedacht. Laut einem Bericht von CBC News von 2017 geben die Geldautomaten nicht einmal nordkoreanische Währung aus.
Die Mode in Nordkorea und insbesondere in Pjöngjang ist ziemlich konformistisch. Die Bewohner von Chongjin hatten hingegen Zugang zu moderneren Kleidungsstücken, die per Boot aus Japan eingeschmuggelt wurden. Die Reichen der Stadt waren dafür bekannt, gerne Röhrenjeans zu tragen. Doch das änderte sich schlagartig, als Kim Jong-un 2021 gegen Symbole des „kapitalistischen Lebensstils“ vorging. Skinny-Jeans, Nasen- und Lippenpiercings sowie T-Shirts mit Markenlogo sind seither verboten.
Doch es ist nicht nur die Kleidung, die die nordkoreanische Modepolizei kontrolliert. Alles, was von den 28 gesetzlich erlaubten Frisuren abweicht, ist ebenfalls ein No-Go. Über die genauen Regeln für Männer und Frauen gibt es unterschiedliche Berichte. Einige westliche Medien behaupteten, dass Männer verpflichtet sind, Kim Jong-uns berühmten Undercut zu tragen, andere meinen, dass genau dies absolut verpönt ist. Unbestritten scheint jedenfalls, dass Frauen etwas mehr Spielraum bei der Haarpracht zugestanden wird, exakt können sie aus 18 Frisuren wählen. Verheiratete müssen ihre Haare jedoch kurz tragen.
Aufgrund der unglaublich niedrigen Löhne im Land können sich nur jene der obersten Gesellschaftsschicht ein Auto leisten. Viele Einwohner von Pjöngjang fahren deshalb Fahrrad. Es erstaunt wenig, dass importierte Elektrofahrräder aus China das neueste Must-Have sind.
Außerhalb der Hauptstadt besteht Nordkoreas Straßennetz vor allem aus staubigen Wegen. Laut dem „World Factbook“ der CIA sind von 25.554 Kilometern Straße nur 724 Kilometer asphaltiert.
Geschätzte 3,5 Millionen Nordkoreaner starben während der großen Hungersnot in den 1990er-Jahren. Chronischer Hunger ist aber bis heute für viele ein ständiger Begleiter. Rund 40 Prozent der Kinder und die meisten Schwangeren sollen unterernährt sein. In dem erwähnten BBC-Bericht warnte Ökonom Peter Ward, der sich mit Nordkorea-Studien befasst, vor einer Hungersnot in dem isolierten Land, die „ernster ist als bislang angenommen und gravierender als es seit der Hungersnot Ende der 1990er-Jahre war“. Die Schilderungen der nordkoreanischen Insider in dem Bericht seien „sehr besorgniserregend“.
In seiner Neujahrsansprache im vergangenen Jahr hatte Kim Jong-un die chronische Lebensmittelknappheit als „großen Kampf um Leben und Tod“ beschrieben. Er erklärte, sein wichtigstes Ziel für 2022 sei der wirtschaftliche Aufschwung. Ein damaliger Propagandafilm zeigte einen erschlankten Anführer, der behauptete vor Sorge um sein Volk „völlig abgemagert“ zu sein. Aktuelle Berichte aus Nordkorea zeichnen jedoch ein ganz anderes Bild und lassen vermuten, dass – wie im vergangenen Jahr – auch 2023 die wirtschaftliche Entwicklung nicht oben auf Kim Jong-uns Tagesordnung steht.
Studien der südkoreanischen Sungkyunkwan-Universität in Seoul zeigen, dass sich jahrelange Unterernährung auf die Körpergröße der Nordkoreaner ausgewirkt hat. Im Schnitt sind sie drei bis acht Zentimeter kleiner als ihre südlichen Nachbarn. Laut dem UN-Welternährungsprogramm ist „jedes dritte Kind chronisch unterernährt“ oder zu klein für sein Alter.
Nordkorea ist einer der größten Obstproduzenten der Welt. Laut Statistiken produziert das Land 779.490 Tonnen Äpfel pro Jahr. Das diktatorische Regime hat sich jedoch schon vor vielen Jahren dazu entschieden, den Großteil zu exportieren, anstatt seine hungernde Bevölkerung damit zu ernähren. Laut der Daten-Website Observatory of Economic Complexity (OEC) 2019 verkaufte Nordkorea Gemüse im Wert von umgerechnet 1,97 Millionen Euro und andere Lebensmittel für 1,5 Millionen Euro ins Ausland.
So gut wie alle Nordkoreaner schuften für einen absoluten Hungerlohn. Selbst wenn sie in ihrer Freizeit zusätzlicher Schwarzarbeit nachgehen, können sie im Monat nur knapp elf Euro dazu verdienen. Laut dem Online-Rechner Salary Explorer liegt der Gehaltsdurchschnitt pro Monat bei 49.100 KPW oder umgerechnet knapp 50 Euro. Da Nordkorea jedoch keine offiziellen Informationen bereitstellt, und die meisten Menschen in bar bezahlt werden, ist diese Zahl nur eine Schätzung. Landwirte sollen, wie bereits erwähnt, gerade einmal 90 Cent bis 1,80 Euro verdienen.
Nach dem nordkoreanischen „Drei-Generationen-Gesetz“ kann eine gesamte Großfamilie hinter Gittern landen, wenn eine Person sich etwas zuschulden hat kommen lassen: Kinder, Tanten, Onkel, Cousinen und Cousins sowie die nachfolgenden zwei Generationen.
Laut der Menschenrechtsorganisation Amnesty International sterben bis zu 40 Prozent der Häftlinge in Straflagern an Unterernährung, während sie ihre Zwangsarbeit verrichten. Die Arbeit ist körperlich äußerst anstrengend und kann von halsbrecherischem Bergbau bis hin zu Holzhacken reichen. Einige müssen sogar ihr eigenes Grab schaufeln!
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