Obwohl die am wenigsten korrupten Länder der Welt sicherlich für ihren Grad an Offenheit und Transparenz gelobt werden sollten, sind auch die tugendhaftesten Beispiele für gute Regierungsführung nicht vor unlauteren Machenschaften gefeit.
Erfahren Sie hier, mit welchen Korruptionsproblemen diejenigen Länder zu kämpfen haben, die im jüngsten Korruptionswahrnehmungsindex CPI der Organisation Transparency International am besten abschneiden. Der CPI stuft 180 Länder und Gebiete auf einer Skala von null (durch und durch korrupt) bis 100 (blitzsauber) ein. So schneidet Deutschland dabei ab...
Chile ist zwar eines der am wenigsten korrupten Länder der Welt, hat aber noch einen weiten Weg vor sich, bevor es sich wirklich auf dem Pfad der Tugend befindet. Laut Transparency International hat „der Kampf gegen die Korruption keine Priorität“. Eine Reihe von Skandalen um politische Korruption und Steuerhinterziehung löste in dem südamerikanischen Land ein ganzes Jahr lang Proteste aus, die im Oktober 2020 schließlich zu einem Referendum führten.
Mit einer überwältigenden Mehrheit von 78 Prozent stimmten die Chilenen für eine Neufassung der Verfassung des Landes, doch scheint dies kaum Auswirkungen auf die Korruption gehabt zu haben, denn die „wachsende organisierte Kriminalität“ ist eines der größten Probleme des Landes.
Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) sind das am wenigsten korrupte Land im Nahen Osten, von einer makellosen Weste sind sie dennoch weit entfernt. Das größte Problem des Landes sind Geldwäsche und komplexe, undurchsichtige Unternehmens- und Eigentumsstrukturen, die es einfach machen, Gelder im Land zu unterschlagen. Tatsächlich waren die Emirate in den letzten Jahren in mehrere große grenzüberschreitende Korruptionsskandale verwickelt.
Eines gutes Beispiel dafür ist die Luanda-Leaks-Affäre: Ein Dossier mit 715.000 E-Mails, Verträgen, Konten und Aufzeichnungen dokumentierte, wie die Tochter der ehemaligen Präsidentin von Angola, Isabel Dos Santos, ihr Vermögen von zwei Milliarden Dollar (1,8 Mrd. Euro) aufgebaut hatte, das nun in drei Ländern eingefroren ist. Die Emirate sind ihr Hauptwohnsitz.
Transparency International stellt fest, dass auch in den VAE „besorgniserregende Anzeichen für einen Niedergang“ zu beobachten sind, darunter die mangelnde Bereitschaft der Bürger, angesichts harter staatlicher Strafen gegen Korruption aufzutreten.
China mag es als eine seiner Provinzen betrachten, doch Taiwan, das seit den 1950er-Jahren weitgehend unabhängig ist, schneidet im Korruptionswahrnehmungsindex wesentlich besser ab.
Nachdem Taiwan zwischen 2020 und 2021 in der Rangliste nach oben geklettert war, kann es im aktuellen Ranking seinen CPI-Wert von 68 Punkten halten. China hingegen kommt nur auf 45 Punkte, aber Taiwan hat es nicht geschafft, sich völlig zu distanzieren. So gab die taiwanesische Staatsanwaltschaft im vergangenen November bekannt, dass sie einen hochrangigen Militäroffizier angeklagt hat, der Bestechungsgelder von China angenommen und sogar einen Brief geschrieben hat, in dem er versprach, sich im Falle einer Invasion Pekings zu ergeben.
Ebenso wie Taiwan hat auch Bhutan seinen CPI-Wert von 2020 verteidigt. Bhutan ist eines der bestplatzierten asiatischen Länder und hat viel Lob für seine Transparenz eingeheimst. Die Antikorruptionskommission des Königreiches im Himalaya zählt zu einer der effizientesten der gesamten Region.
Ironischerweise ist allerdings ausgerechnet die Kommission selbst in Rechenschaftsschwierigkeiten geraten, die laut Transparency International dringender Aufklärung bedürfen. Dazu sei auch noch einiges zu tun, um die Bestechung im öffentlichen Beschaffungswesen und im grenzüberschreitenden Handel einzudämmen.
Im Jahr 2020 erreichten die USA die niedrigste Position im CPI seit 2012, was vor allem auf Transparenzprobleme im Zusammenhang mit dem milliardenschweren COVID-19-Hilfspaket zurückzuführen ist. Mit 69 Punkten hat sich ihr Wert in der jüngsten Rangliste um zwei Punkte erhöht. Der Index deckt nur die Korruption im öffentlichen Sektor ab, berücksichtigt also keine zwielichtigen Aktivitäten im privaten Sektor. In den USA kann dies von dubiosen Bankpraktiken – die Staaten stehen an der Spitze des Financial Secrecy Index – bis hin zu Geldwäsche im großen Stil und Bestechung ausländischer Beamter reichen.
In jüngster Zeit hat es jedoch Verbesserungen gegeben. Im Januar 2021 verabschiedete der Kongress das Gesetz zur Unternehmenstransparenz (Corporate Transparency Act), um Geldwäsche zu bekämpfen und gegen anonyme Briefkastenfirmen vorzugehen. Transparency International hat auch die „sinnvollen und angemessenen Maßnahmen zur Rechenschaftspflicht“ hervorgehoben, die nach dem Angriff aufs US-Kapitol am 6. Januar 2021 ergriffen wurden.
Die Seychellen sind im aktuellen Ranking vier Punkte nach oben gerückt und damit das am wenigsten korrupte Land in Subsahara-Afrika. Während die Inselnation 70 Punkte im Korruptionswahrnehmungsindex bekam, liegt der regionale Durchschnitt bei nur 32. Dennoch warnte Mary De Silva, CEO der Antikorruptionskommission der Seychellen, das Land, „nicht selbstgefällig zu werden“.
Als Beispiel nannte De Silva einen kürzlich beschlossenen Gesetzesentwurf, der Ehepartner und Familienmitglieder von Regierungsbeamten von der Pflicht entbindet, ihr Vermögen zu deklarieren. Die Seychellen würden damit zu „einem attraktiven Ziel für schmutziges Geld aus der ganzen Welt“.
Österreich, das von Transparency International für das Jahr 2021 als zu beobachtendes Land eingestuft wurde, ist seit dem letzten Bericht einen weiteren Platz zurückgefallen. Eines der größten Probleme Österreichs ist der mangelnde Schutz für Whistleblower. Gesetzliche Grundlagen, insbesondere im privaten Bereich, fehlen beinahe gänzlich. 2019 brach die Regierungskoalition auseinander, nachdem ein Video aufgetaucht war, in dem der damalige Chef der Rechts-Partei FPÖ, Heinz-Christian Strache (Bildmitte), mehrere Staatsbetriebe an eine vermeintliche russische Oligarchin verkaufen wollte.
Auch in Österreich gab es in den letzten Jahren vermehrt Korruptionsermittlungen. Im Herbst 2021 wurde gegen den damaligen Bundeskanzler Sebastian Kurz wegen des Missbrauchs öffentlicher Gelder und Lügen bei der Aussage vor einem Parlamentsausschuss ermittelt. Kurz trat daraufhin als Bundeskanzler zurück. Transparency International stellt fest: „Die Regierung muss auch dringend Reformen zur Erhöhung der Lobbying-Transparenz und der Informationsfreiheit vorantreiben – hier wurden mangelnde Fortschritte von der Anti-Korruptions-Beobachtungsstelle des Europarats kritisiert.“
Der Volksmund sagt, Korruption beginnt ganz oben – und auf Frankreich trifft dies zweifellos zu. Im März 2021 wurde der ehemalige Präsident Nicolas Sarkozy (Bildmitte) für schuldig befunden, sich Zugang zu Untersuchungsunterlagen in seinem eigenen Prozess über illegale Wahlkampfgelder gesichert zu haben, indem er einen Richter bestach. Sarkozy wurde zu drei Jahren Haft verurteilt, zwei davon auf Bewährung. Er legte Berufung ein.
Frankreichs Korruptionswert hat sich im letzten Jahrzehnt um nur einen Punkt verbessert. Dem französischen Büro von Transparency International nach mangelt es „an Ressourcen für die Justiz und die Wirtschafts- und Finanzpolizei“. Es gäbe auch in der ersten Amtszeit von Präsident Emmanuel Macron „besorgniserregende Hinweise“ auf Korruption. Der jüngste Bericht wirft auch ein Schlaglicht auf die Uber-Akten, eine Sammlung von durchgesickerten Unterlagen, aus denen hervorgeht, dass große Privatunternehmen privilegierten, inoffiziellen Zugang zu Spitzenpolitikern genießen. Zu den mutmaßlichen Tätern gehörte Macron, der Berichten zufolge in 18 Monaten 17 geheime Treffen mit Vertretern von Uber abhielt.
Das Vereinigte Königreich hat zwischen 2017 und 2020 fünf Punkte auf dem Index verloren und zwischen 2021 und 2022 weitere fünf Punkte eingebüßt. Es ist alles andere als frei von Korruption. London wird seit langem als die Hauptstadt der Geldwäsche bezeichnet, da ein Schlupfloch im britischen Recht es ausländischen Unternehmen ermöglicht, Immobilien zu kaufen, ohne ihre Identität offenzulegen. Dadurch ist das Land offen für schmutziges Geld. 75 Prozent der zwischen 2004 und 2015 untersuchten Immobilien wurden über anonyme Offshore-Gesellschaften gekauft.
Nach der Veröffentlichung der Pandora Papers 2021 bezeichnete Transparency International das Vereinigte Königreich als eines der Länder, die „dringend handeln müssen“, um die Korruption zu bekämpfen. Aus diesen ging hervor, dass britische Immobilien im Wert von 7 Milliarden Dollar (6,5 Milliarden Euro) über diese anonymen Unternehmen gekauft wurden. Die Situation hat sich im Jahr 2022 nicht verbessert. Im jüngsten Bericht wird das Vereinigte Königreich als „Land, das man im Auge behalten sollte“ bezeichnet. Als Gründe werden das „besorgniserregend niedrige“ Vertrauen der Öffentlichkeit in die Regierung (hier im Bild: Premierminister Rishi Sunak), die Ernennung von Personen mit politischen Verbindungen in leitende Positionen während der Corona-Pandemie und die systematische Voreingenommenheit bei der Vergabe von PSA-Verträgen genannt.
Japans Ruf hat in den letzten Jahren durch eine Reihe von Regierungsskandalen gelitten. Umfragen zeigen, dass die Mehrheit der Bevölkerung die staatliche Korruption für ein ernsthaftes Problem hält. Im CPI-Ranking hat das Land im Vergleich zu 2020 einen Platz verloren. Im Januar 2021 wurden zehn Beamten des Landesministeriums die Gehälter gekürzt, nachdem bekannt geworden war, dass diese rund zwei Jahrzehnte lang Daten zu ihren Gunsten gefälscht hatten.
Weitere Schwachstellen, die Transparency International ans Licht brachte, sind die laxen Regeln für Unternehmenseigentum sowie die schlechte Bilanz bei der Bekämpfung von Bestechung ausländischer Amtsträger. Tatsächlich gibt es keinerlei öffentlich zugänglichen Informationen über Bestechungsbekämpfung oder die Eigentümer von Firmen und Stiftungen.
Nachdem der belgische CPI-Wert im Jahr 2020 auf den niedrigsten Stand seit einem Jahrzehnt gefallen war, stagniert er seit 2021. Transparency International stellt fest, dass es in dem Land „immer noch keinen übergreifenden Integritätsrahmen für Minister“ gibt, und auch den Strafverfolgungsbehörden stehen nur begrenzte Ressourcen für die Bekämpfung der Auslandsbestechung zur Verfügung. Im Jahr 2020 sah sich beispielsweise das in Brüssel ansässige Unternehmen Semlex, das sich mit biometrischen Dokumenten und Pässen befasst, mit Vorwürfen konfrontiert, es habe Bestechungsgelder und Insidergeschäfte eingesetzt, um weltweit, insbesondere in Afrika, Aufträge zu erhalten.
Positiv zu vermerken ist jedoch, dass der Bericht 2022 einräumt, dass das Land die Ermittlungen gegen die Auslandsbestechung von Mitgliedern des Europäischen Parlaments und ihren Mitarbeitern verstärkt.
Die Regierung von Uruguay hat hart daran gearbeitet, die Korruption im Land einzudämmen, indem sie 2018 ein weitreichendes Gesetz zur Bekämpfung von Geldwäsche verabschiedete. Diese Maßnahmen haben dazu geführt, dass der CPI-Wert des südamerikanischen Landes im aktuellen Bericht von 73 auf 74 gestiegen ist. Dennoch bleibt Uruguay ein beliebter Ort für Einzelpersonen und Organisationen, die nicht ganz lupenreines Geld verstecken wollen. Es mangelt auch an der Kontrolle von Briefkastenfirmen, die zur Geldwäsche und für Bestechungszahlungen missbraucht werden können.
2020 deckte eine gemeinsame Untersuchung von Transparencia Venezuela, der Alianza Rebelde Investiga (ARI) und der lateinamerikanischen Journalistenplattform Connectas Verbindungen der venezolanischen Regierung zu Privatbanken und Politikern in Uruguay auf und fand potenzielle Beweise für Geldwäsche. Im aktuellen Korruptionswahrnehmungsindex wird Uruguay dennoch als „das am wenigsten korrupte Land auf einem korrupten Kontinent“ bezeichnet. Dazu gab es Lob für Uruguays effizienten Umgang mit der Corona-Pandemie.
Transparency International beschreibt Island als „kaum so rein wie den dortigen Schnee“. Trotz des blütenweißen Images des Landes als korruptionsfreies Paradies habe es genug Skandale gegeben, an denen Politiker und Großunternehmen beteiligt waren. Die Finanzkrise 2008 deckte die dubiosen Praktiken einiger Banken auf. Der ehemalige Premierminister Geir Haarde landete sogar vor Gericht und wurde später schuldig gesprochen, eine Kabinettssitzung nicht abgehalten zu haben, als die Situation eskalierte.
2019 wurden die Fishrot-Akten auf WikiLeaks veröffentlicht, die Korruption bei der isländischen Fischfirma Samherji aufdeckten und nahelegten, dass diese eine Briefkastenfirma auf den Marshallinseln benutzte, um die Erlöse aus illegalem Fischfang in Namibia reinzuwaschen, Beamtenbestechung vor Ort inklusive. In einem OECD-Bericht wurde Island für seinen nachlässigen Umgang in Sachen Bestechung ausländischer Amtsträger kritisiert.
Islands Punktzahl hat sich seit dem Jahr 2021 nicht verändert. Laut Transparency International sei das Land eines von vielen europäischen Ländern, die „noch Mängel in ihrem Rahmenwerk für politische Integrität beheben müssen“.
Gleichauf mit Uruguay und Island, ist Estland das am wenigsten korrupte Land Osteuropas. Dennoch ist auch diese Nation nicht vor Problemen gefeit: Im Januar 2021 etwa scheiterte die Regierung und Premierminister Jüri Ratas trat zurück, nachdem gegen eine seiner Koalitionsparteien Ermittlungen wegen Korruption im Zusammenhang mit Eigentum eingeleitet worden waren.
Dazu gibt es bei der Finanztransparenz und bei Anti-Geldwäsche-Regulierungen Nachholbedarf. So schlitterte etwa die estnische Niederlassung der Danske Bank in einen der weltgrößten Skandale. Zwischen 2007 und 2015 sollen 200 Milliarden Euro gewaschen worden sein. Ein Ereignis, das Estland, so Transparency International, „bis heute verfolgt“.
Kanada teilt sich mit Uruguay, Island und Estland den 14. Platz. Damit schneidet das Land zwar wesentlich besser ab als sein südlicher Nachbar, die USA, dennoch ist in Sachen Anti-Korruption nicht alles rosig. Gemeinsam mit den USA und Australien zählt Kanada zu den Verlierern des aktuellen Korruptionswahrnehmungsindex. Im vergangenen Jahrzehnt hat das Land zehn Punkte verloren. Seit dem Jahr 2021 jedoch blieb der CPI unverändert.
Aktuell umfassen die Anti-Geldwäsche-Maßnahmen des Landes nur bestimmte Berufsgruppen und Organisationen. Es ist relativ einfach, eine Briefkastenfirma aufzubauen, um Geld zu waschen, oder Eigentum ohne Angabe persönlicher Daten zu erwerben. Allein 2020 wurde ein Drittel der 100 teuersten Immobilien im Großraum Vancouver von anonymen Käufern erstanden.
Auch der kanadische Premierminister Justin Trudeau (im Bild) und sein ehemaliger Finanzminister Bill Morneau machten mit nicht ganz lupenreinen Geschäften Schlagzeilen. Untersuchungen zufolge sollen sie einen Vertrag für 43 Millionen Kanadische Dollar (40 Millionen Euro) mit einer Firma abgeschlossen haben, die in enger Verbindung mit ihren Familien steht. Trudeau jedoch wurde vom Vorwurf des Fehlverhaltens freigesprochen.
Australien ist in den letzten zehn Jahren in der Rangliste kontinuierlich nach unten gerutscht. Zwischen 2012 und 2021 hat das Land zwölf Punkte verloren. Aber die Situation verbessert sich. Im jüngsten Bericht stieg der australische CPI um zwei Punkte, und Transparency International räumte ein, dass das Land „wichtige Maßnahmen zur Bekämpfung der Korruption“ ergreift. Zu diesen Maßnahmen gehört die Verabschiedung eines Gesetzes zur Einrichtung einer neuen Anti-Korruptions-Kommission im Dezember vergangenen Jahres (hier im Bild: Premierminister Anthony Albanese).
Trotz des hohen CPI-Wertes, der seit 2020 nur einen Punkt verloren hat, bezeichnet Transparency International Hongkong als „transnationales Korruptionszentrum“. Die Sonderverwaltungszone Chinas hat es demnach versäumt, der Bestechung ausländischer Amtsträger entgegenzutreten und strengere Vorschriften für Briefkastenfirmen einzuführen, die im großen Stil zur Verschleierung von Geldwäsche verwendet werden und deren Zahl in den vergangenen Jahren regelrecht explodiert ist.
Die Pandora Papers enthüllten auch, dass Unternehmen in Hongkong die Geschäftspraktiken von Oligarchen und Milliardären verschleiern.
Luxemburg hat wichtige Schritte in Richtung mehr Transparenz unternommen, einschließlich eines neuen öffentlichen Registers der wirtschaftlichen Eigentümer im Jahr 2019. Dennoch bleibt das kleine europäische Fürstentum ein geheimes Steuerparadies, in dem ausländische Unternehmen ihr Geld relativ einfach verstecken können. Mehr als 80 Prozent der Investmentfonds von Luxemburg haben laut dem Magazin „Delano“ bis heute keinen Eigentümer im Register eingetragen. Der LuxLeaks-Skandal im November 2014 enthüllte Steuervorbescheide zwischen Luxemburg und Unternehmen auf der ganzen Welt, die darauf abzielten, die jeweilige Steuerzahlungen zu reduzieren.
Die Enthüllung führte im März 2019 zu einer EU-Richtlinie zum Schutz von Whistleblowern, obwohl fast die Hälfte der Mitgliedsstaaten sie bis Ende 2020 nicht gesetzlich umgesetzt haben. Wie in vielen Ländern auf der Liste werden auch in Luxemburg Regelungen, die Bestechungszahlungen verhindern sollten, kaum nachverfolgt. Luxemburgs CPI-Wert hat im Vergleich zum Vorjahr einen Punkt hinzugewonnen, liegt aber immer noch vier Punkte unter dem Wert von 2015.
Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern auf der Liste ist Irland in der Rangliste nach oben geklettert und hat zwischen 2020 und 2021 zwei Punkte und zwischen 2021 und 2022 weitere drei Punkte gewonnen.
Das Land verfügt über solide Sicherheitsvorkehrungen im Hinblick auf unethische Lobbyarbeit und politische Spenden und hat im vergangenen Jahr ein Gesetz zur Verbesserung seines Rahmens für die Geldwäschebekämpfung verabschiedet. Nach Ansicht von Transparency International ist die Korruptionsbekämpfung in Irland jedoch immer noch unzureichend.
Berichten zufolge hat die inhaftierte usbekische Prominente Gulnara Karimova zwischen 100 und 300 Millionen Dollar (94 bis 282 Millionen Euro) über in Dublin ansässige Fonds gewaschen und damit zu Irlands Ruf als „sicherer Hafen für schmutziges Geld“ beigetragen.
Vor 2022 konnte Deutschland seinen CPI-Wert von 80 vier Jahre in Folge halten. Im jüngsten Bericht ist diese Zahl auf 79 gesunken, was zum Teil auf die Verbindungen zwischen der nationalen Stiftung für Klima- und Umweltschutz und dem staatlichen russischen Gasunternehmen Gazprom zurückzuführen ist, die Deutschland zu verbergen versucht hatte. Nach Angaben von Transparency International soll die Stiftung im Auftrag von Gazprom staatliche Beamte beeinflusst haben, um Lobbyarbeit für die Gaspipeline Nord Stream 2 zu leisten, die aufgrund des russischen Krieges in der Ukraine derzeit ausgesetzt ist.
Diese jüngste Kontroverse kommt, nachdem mehrere Politiker aufgrund ihrer Verwicklung in einen Gesichtsmasken-Skandal zum Rücktritt gezwungen wurden. Zu Beginn der Corona-Pandemie hatten CDU/CSU-Abgeordnete üppige Provisionen für die Vermittlung von Masken erhalten. Der damalige Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU; im Bild) geriet durch die Affäre unter Druck.
Die Niederlande fallen mit einem neuen CPI von 80 zum ersten Mal seit 2017 unter 82 Punkte. Das Land gehört offenbar „zu den schwächsten, wenn es um die Aufsicht über Lobbyisten geht“ und schneidet auch vergleichsweise schlecht ab, wenn es um die Bekämpfung der grenzüberschreitenden Korruption geht. Laut Transparency International werden „Unternehmen oder Einzelpersonen im Zusammenhang mit Korruption im Ausland noch immer so gut wie nie vor Gericht gestellt“.
Mit den Steuerregelungen, die ausländischen Unternehmen zur Verfügung stehen, sind die Niederlande außerdem auf dem besten Weg, ein Steuerparadies zu werden. Der Rechnungshof des Landes reichte 2021 eine Beschwerde gegen das Ministerium für Gesundheit, Wohlfahrt und Sport ein, nachdem er Unregelmäßigkeiten bei den COVID-19-Ausgaben festgestellt hatte. Die Beschwerde wurde zurückgezogen, nachdem das Ministerium angekündigt hatte, sein Finanzmanagement zu verbessern.
Der öffentliche Sektor in der Schweiz ist weitaus offener und transparenter als in den meisten anderen Ländern, daher der hohe Rang im Index. Über den Privatsektor des Landes kann dies jedoch nicht gesagt werden. Vor allem die Bankenbranche verbirgt so manches Geheimnis. Dies, kombiniert mit laxen Vorschriften zur Geldwäsche und schlechtem Schutz für Whistleblower, hat das Land lange Zeit zu einem Magneten für schmutziges Geld gemacht.
Die Schweiz erhielt 2022 den niedrigsten CPI-Wert aller Zeiten. Transparency International bezeichnete die Tatsache, dass Schweizer Parlamentarier neben ihrer politischen Tätigkeit bezahlte Posten behalten dürfen, als „besonders besorgniserregend“.
Schweden hat seit dem Ranking von 2021 zwei Punkte verloren. Obwohl das Land immer noch gut abschneidet, könnte der sinkende CPI laut Transparency International auf einen „ernsthaften gesellschaftlichen Trend“ hindeuten. Der regulatorische Rahmen, mit dem Kriminelle daran gehindert werden sollen, Geld im Land zu horten, ist ziemlich fadenscheinig, und viele sehen die nordische Nation als zu weich an.
Die Swedbank, eines der führenden Finanzinstitute des Landes, wurde 2020 zu einer Rekordstrafe von vier Milliarden Kronen (372 Millionen Euro) verurteilt, weil sie keine ausreichenden Kontrollen zur Bekämpfung der Geldwäsche durchführte. Obwohl das Land eines der wenigen Länder ist, das die EU-Richtlinien zur Geldwäsche und zum Schutz von Hinweisgebern fristgerecht umgesetzt hat – das Whistleblowing-Gesetz trat am 17. Dezember 2021 in Kraft –, hat sich dies nicht positiv auf den Verbraucherpreisindex des Landes ausgewirkt. Darüber hinaus ergab die letztjährige Nordic Business Ethics Survey, dass die Mehrheit der Beschäftigten in schwedischen Unternehmen schon einmal Zeuge von „ethischen Unregelmäßigkeiten“ am Arbeitsplatz war.
Als das mit Abstand am wenigsten korrupte Land Asiens hat Singapur viel, worauf es stolz sein kann. Allerdings ist die Platzierung von 2022 die niedrigste seit fünf Jahren. Eine toxische Kombination aus Geheimhaltung und minimaler Finanzregulierung im privaten Sektor hat den Stadtstaat zu einem verlockenden Ziel für Geldwäscher gemacht. Laut Ilham Mohamed, dem regionalen Asien-Berater von Transparency International, fehlt es in Singapur auch an Anti-Korruptions-Organisationen, die nicht von der Regierung geleitet werden, sowie an zivilen Räumen, in denen Menschen Korruption aufdecken und sich dagegen aussprechen können.
Wie Hongkong wurde auch Singapur im Jahr 2021 in den Pandora Papers angeklagt, in denen festgestellt wurde, dass Anwaltskanzleien und Unternehmensdienstleister des Landes in der Vergangenheit dubiose Finanzgeschäfte im Namen wohlhabender Kunden gedeckt haben.
Norwegen hat im aktuellen Index einen Punkt verloren und liegt nun bei 84. Jüngsten Studien zufolge ist eines der wichtigsten Korruptionsprobleme des Landes die mangelnde Transparenz in Bezug auf den Besitz hochwertiger Immobilien. Berichten zufolge befinden sich rund 10.000 Immobilien im Besitz von Unternehmen, die in Steuerparadiesen registriert sind.
Norwegen taucht auch neben Island in den oben erwähnten Fishrot-Akten auf, da seine staatliche Bank DNB nachweislich die Geldwäsche für die Briefkastenfirmen aus der illegalen Fischerei erleichtert hat. Im Mai 2021 wurde die DNB zu einer Geldstrafe von 400 Millionen Norwegischer Kronen (knapp 40 Millionen Euro) verurteilt, weil sie gegen das norwegische Gesetz zur Bekämpfung der Geldwäsche verstoßen hatte.
Als Bastion der Offenheit und Transparenz wird Finnland zu Recht für sein niedriges Korruptionsniveau bewundert und hat seine hohe Position im zweiten Jahr in Folge gehalten. Im Oktober 2019 hatte die OECD-Arbeitsgruppe für Bestechung die finnische Regierung jedoch für ihr Versagen bei der Durchsetzung von Gesetzen zur Auslandsbestechung gerügt und sich besorgt über die hohe Freispruchquote des Landes bei dieser Art von Verbrechen geäußert.
Mit einem aktuellen CPI-Wert von 87 hat Finnland seit dem letzten Jahr einen Punkt verloren. Wie Transparency International feststellt, müsse das Land „noch Defizite in [seinem] Rahmen für politische Integrität beheben“.
Neuseeland ist neben Finnland eines der am wenigsten korrupten Länder der Welt und wird dafür bewundert. Aber es ist sicherlich nicht perfekt. Seit dem letzten Jahr ist der CPI des Landes von 88 auf 87 gesunken, was bedeutet, dass 2022 erst das dritte Jahr seit 2006 ist, in dem Neuseeland nicht den ersten oder einen gemeinsamen ersten Platz belegt hat.
Transparency International stellt fest, dass das Land „allmählich nach unten tendiert“. Gründe dafür seien der starke Handel mit China (das auf dem Index nur 45 von 100 Punkten erreicht) und die Tatsache, dass es für die Behörden schwierig sein könne, die wahren Eigentümer von in Neuseeland registrierten Trusts zu ermitteln. Nach dem Rücktritt von Premierministerin Jacinda Ardern (im Bild) Anfang des Jahres bleibt abzuwarten, ob sich das Ranking des Landes in den kommenden Jahren ändern wird.
Dänemark hat seine Position an der Spitze der Rangliste seit letztem Jahr gehalten und seinen CPI-Wert sogar von 88 auf 90 erhöht. Das Land wird in der ganzen Welt für seine geringe Korruption gelobt. Doch wie wir gesehen haben, haben auch die tugendhaftesten Länder ihre Schwächen.
So war eine dänische Bank an einem der weltgrößten bekannten Geldwäschesysteme beteiligt, als zwischen 2007 und 2015 verdächtige Gelder in Höhe von rund 200 Milliarden Euro durch die estnische Filiale der Danske Bank flossen. Der Bank wird außerdem vorgeworfen, der Deutschen Bank dabei geholfen zu haben, im gleichen Zeitraum mehr als 600 Millionen Dollar (564 Millionen Euro) an verdächtigen Geschäften über die Filialen der Danske Bank in Litauen abzuwickeln.
Diese Skandale wurden angeblich durch die unzureichenden Finanzvorschriften in Dänemark begünstigt. Obwohl die Vorschriften seither verschärft wurden, sind die dänischen Gesetze zur Bekämpfung von Bestechung nach wie vor lückenhaft. Transparency International stuft in seinem jüngsten Bericht die Bewertung Dänemarks in Bezug auf Auslandsbestechung auf „wenig oder keine Durchsetzung“ herab.
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